Widerstand in der Reichsbahn

„Räder müssen rollen für den Sieg“, posaunten die Nazis. Gemeint war damit auch die Reichsbahn, ohne deren Einsatz das „Dritte Reich“ nicht hätte von A nach B fahren können. Rüstungsgüter, Soldaten an die Front: Die Bahn transportierte sie alle. Und am schlimmsten: Sie fuhr Millionen Menschen in die Vernichtungslager.

Auch die Bahn wurde gleichgeschaltet, linke und jüdische Mitarbeiter entlassen und durch NS-treue Kräfte ersetzt. Dass dennoch nicht alle Bahner einverstanden waren mit den fürchterlichen Einsätzen, ist das Thema des ARD-Films „Eisenbahner im Widerstand”, kurioserweise entstanden in Kooperation mit der SWR-Redaktion Eisenbahnromantik.

Die Dokumentation erinnert an diejenigen Bahnarbeiter in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges, die heimlich Berichte über die Aufrüstung ins Ausland schmuggelten, verbotene Zeitungen verbreiteten oder gar Sabotage übten. Regisseur Hermann Abmayr recherchierte auch zu Versuchen von Reichsbahnern, Verfolgte des NS-Regimes zu retten. Dazu gehörten etwa Ernst Sieber und John Sieg, die die Widerstandsgruppe Rote Kapelle unterstützten; oder der Gewerkschafter Karl Molt, der Aktive aus der Schweiz mit Material und Informationen unterstützte – wie viele weitere, auch etwa im besetzten Frankreich.

Ihr Wirken war lange ins Vergessen geraten. Und nicht wenige unter ihnen bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben, sie kamen für ihr Engagement ins KZ und wurden dort ermordet. Die Nazis befürchteten, dass Eisenbahner mit vergleichsweise geringem Aufwand den reibungslosen Betrieb der Bahn empfindlich stören könnten. Bereits beim kleinsten Anzeichen wurden die Widerständigen verhaftet. Eine kleine Minderheit, die unter hohem Risiko versucht hat, sich nicht dem System zu unterwerfen.

Die Dokumentation erinnert an diese Bahnarbeiter und Gewerkschafter im Widerstand, die sich den Nazis offen oder verdeckt entgegenstellten. Selten wird ihrer gedacht. Ein wichtiger Film.

Das Xenon-Kino in Berlin präsentiert den Film in Kooperation mit DGB, EVG und VVN-VdA in einer Sonderaufführung. Anwesend sind der Regisseur Hermann Abmayr und John Sieber, der Son des Widerstandskämpfers Ernst Sieber.

17. Juni 2023, 15.30 Uhr. Xenon, Kolonnenstraße 5-6, 10827 Berlin

In der ARD-Mediathek ist der Film hier abrufbar: www.ardmediathek.de/video/unsere-geschichte/eisenbahner-im-widerstand-vergessene-gegner-des-ns-regimes/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE3Mzk0NTI

BQ: SWR