Klimagipfel in Glasgow

Glasgow: Climate Action – Drop & Go ONLY

Klimaprotest in Glasgow

Nun wurde wieder zwei Wochen lang bei einer Klimakonferenz darüber gesprochen, wie wir das Versprechen einhalten, die Bewohnbarkeit des Planeten doch noch irgendwie zu sichern. Während hunderttausende Aktivist*innen und zahlreiche NGOs bei schottischem Wetter auf der Straße, aber auch bei Störaktionen auf der Konferenz selbst, lautstark wirkliche Veränderungen forderten, kamen die Verantwortlichen ihren Pflichten natürlich nicht nach. ‚Natürlich nicht‘ klingt hämisch, es ist aber eine sachliche Feststellung. „Climate Action Drop & Go Only“ charakterisiert dieses Verhalten sehr gut: Politiker und Konzerne kommen nach Glasgow, machen leere Versprechen und gehen dann wieder. #lossanddamages trendete zwischendurch und selbstverständlich versuchten Menschen aus dem Globalen Süden zum zigsten Mal auf die enorme Ungerechtigkeit, die Konsequenzen der Katastrophe und die Schuld der reichen Länder aufmerksam zu machen. Tuvalus Vertreter beispielsweise stellte sein Rednerpult ins Meer und hielt vor entsprechend eindrucksvoller Kulisse seine Rede. Während die Fossilindustrie die größte Delegation stellte, bekamen viele Menschen aus benachteiligten Ländern nicht mal Visa. Dabei sind es genau diese Personen, die ihr Leben für eine bessere Welt aufs Spiel setzen. Fast täglich werden Umweltaktivist*innen ermordet.

Selbst wenn man 25 Klimakonferenzen verpennt hat, reicht schon ein Blick auf die Liste der Sponsoren, um zu verzweifeln.

Seit Beginn der Klimakonferenzen - und wir sind bei COP26 - steigen die klimaschädlichen Emissionen stetig. Selbst wenn man 25 Klimakonferenzen verpennt hat, reicht schon ein Blick auf die Liste der Sponsoren, um zu verzweifeln. Hätten diese ein echtes Interesse an Klimaschutz und dem Ende neokolonialer Konsummuster, so könnten sie die weltweite Umweltkatastrophe schließlich auch ganz ohne Mitwirkung der Politik lösen. Könnten sie, aber sie verdienen an der Ausbeutung von Mensch, Natur und Tier noch viel zu gut.

Leider ist zu befürchten, dass das ganze Greenwashing wirkt und einige Menschen tatsächlich glauben, dass Unilever, Ikea oder Jaguar Land Rover Millionen aus Liebe zum Planeten oder der Menschheit gäben. In Deutschland sieht man Ikea-Plakate, die mit der Steigerungsform „nachhaltigeren“ werben. Was den Menschen, die sich nicht näher mit dem Thema beschäftigen wahrscheinlich das Gefühl gibt, dass wir schon unheimlich viel machen. Werbung und dieses Politikspektakel inszenieren sich als grün. Das ist gefährlich. Hier liegt unsere Verantwortung als Linke auf die Mächtigen und Profiteure der Zerstörung zu zeigen und zu sagen: „Fakt ist, der Kaiser hat keine grünen Kleider“.

Und wenn wir auch in Deutschland als Linke diese Aufgabe noch nicht erfüllen, so zeigten die Slogans auf den Glasgower Straßen ganz klar, dass die Klimabewegung nicht irgendeinen privilegierten Lifestyle vertritt, sondern ihre Stimme für das Überleben der Menschheit und für internationale Gerechtigkeit erhebt. Da marschierten Schüler*innen neben Gewerkschaftler*innen und Vertreter*innen indigener Bevölkerungen und skandierten laut: „Capitalism is a war of the rich against the poor”, “Our planet, not their profits”, “Heyho, capitalism has got to go.” Vielleicht ist das noch nicht überall Konsens, aber dafür ist DIE LINKE eigentlich da. Klimagerechtigkeit gibt es nur von links. Der Schutz der Allgemeingüter ist von jeher unser Anliegen. Wir wissen, dass man die Tragik der Almende nicht mit Privatisierung löst sondernwir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und alles mobilisieren, um unser höchstes Gemeingut – das Klima - für die Zukunft zu sichern. Denn: Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) e.V. beschäftigt sich mit Kipppunkten des sozialen Wandels, die die gesellschaftlichen Veränderungen beschleunigen, die erforderlich sind, um den globalen Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Dabei untersuchen die Forscher*innen auch die Rolle von Fridays for Future und vermuten, dass die Pandemie das Erreichen eines Kipppunktes in der  Klimapolitik bisher verhindert hat. Wir müssen die Kipppunkte für die gesellschaftliche Transformationen erreichen. Es ist Zeit alles zu mobilisieren – so wie es die Wissenschaft vorschlägt.