Die 100 reichsten Deutschen (4)

Wohl kein anderer Name steht so sehr für die Käuflichkeit deutscher Politik: Flick

Um diesen Milliardärs-Clan ist es etwas still geworden - aber in der Liste der 500 reichsten Deutschen findet sich ihr Name gleich acht Mal: Flick.

Wohl kein anderer Name steht so sehr für die Käuflichkeit deutscher Politik: Fast 40 Jahre ist es her, dass die »Flick-Affäre« die Bundesrepublik erschütterte. CDU, CSU, FDP und auch SPD hatten jahrzehntelang verdeckte Millionenspenden des Flick-Konzerns angenommen.
Auch die Flicks selbst zeigten sich überrascht, allerdings nicht über den Skandal an sich, sondern über den plötzlichen Aufschrei für den er sorgte - hatte doch ein Großteil der »Erfolgsgeschichte« der Familie auf ihrer »politischen Landschaftspflege« beruht, wie die Flicks ihr Tun umschrieben.

Den Weg zum Firmenimperium ebnete der 1883 geborene Friedrich Flick, der von sich selbst gerne das Bild eines einfachen Bauernsohns zeichnete, der sich durch Fleiß und Geschick zum Milliardär hocharbeitete. Tatsächlich war sein Vater Landwirt, in erster Linie jedoch Holzhändler und durchaus vermögend.
Die Tatsache, dass Flick im Unterschied zu anderen Schwerindustriellen wie Krupp, Stinnes oder Thyssen keiner großen Unternehmerdynastie entstammte, glich er durch Skrupellosigkeit und kriminelle Machenschaften aus.


Sein Aufstieg begann 1915 als Vorstandsmitglied einer Eisenhütte im Siegener Land, in die er sich nach und nach einkaufte. Dies finanzierte er, indem er in anderen Betrieben einstieg, und dann als Vorstandsmitglied dafür sorgte, dass diese überteuert aufgekauft wurden – Insidergeschäfte würde man heute wohl sagen.

Reich mit Rüstung

Mit dem Rüstungsboom im Ersten Weltkrieg florierte das Geschäft in der Schwerindustrie und Flicks Vermögen wuchs rasant. In der Weimarar Zeit expandierte er vor allem in Oberschlesien, das nach Kriegsende an Polen abgetreten worden war. Dabei profitierte er von der verdeckten Vergabe von zinsgünstigen Krediten durch einen Sonderfonds des deutschen Außenministeriums, das dafür sorgen wollte, dass die großen Industriebetriebe in deutschem Besitz verbleiben.
Durch weitere Zukäufe in Mitteldeutschland und den Erwerb der Maxhütte in Bayern wurde Flick zu einer einflussreichen Größe in der Eisen-, Stahl- und Kohleindustrie.

Das Wohlwollen der Politik sicherte er sich schon damals durch großzügige Spenden an sämtliche politischen Parteien bis auf die Kommunist:innen.

Im "Club" der SS

Nach der Machtergreifung Hitlers erkannte Flick schnell, dass die Nazis auf absehbare Zeit an der Macht bleiben würden,und er suchte und fand die Nähe zum NS-Regime. Ab 1933 konzentrierte er nicht nur seine Spenden auf die NSDAP, sondern investierte zudem massiv ins Rüstungsgeschäft. Innerhalb von sechs Jahren stieg er zu einem der führenden Rüstungsproduzenten auf.1935 wurde Flick Mitglied des Industriellenclubs »Freundeskreis Reichsführer SS«, der jährlich eine Million Reichsmark an Heinrich Himmler spendete. Unmittelbar nach Ablauf der Eintrittssperre trat Flick 1937 auch der NSDAP bei. 1938 wurde er zum Wehrwirtschaftsführer ernannt.

An jüdischem Besitz bereichert

Die engen Kontakte zu den Nationalsozialisten, insbesondere zu Reichswirtschaftsminister Hermann Göring, nutzte er, um sich jüdische Unternehmen anzueignen. Kein anderer Konzern der Montanindustrie konnte in ähnlicher Weise durch Enteignungen expandieren wie das Flick-Imperium. Genau wie bei den Reimanns (Teil I) oder den Quants (Teil III) mussten auch für den gigantischen Reichtum der Flicks Zwangsarbeiter:innen schuften. Von den 1944 insgesamt etwa 130.000 Beschäftigten der Friedrich Flick KG sollen etwa die Hälfte Zwangsarbeiter:innen gewesen sein, in einzelnen Werken waren es bis zu 85 Prozent der Belegschaft.

Nach 1945 versuchten auch die Flicks, sich als Leidtragende des NS-Systems darzustellen. Doch Friedrich Flick wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse angeklagt und im Dezember 1947 wegen Sklavenarbeit, Verschleppung zur Sklavenarbeit, Ausplünderung der besetzten Gebiete und Teilnahme an Verbrechen der SS zu sieben Jahren Haft verurteilt. Bereits 1950 kam er vorzeitig frei.

Und anders als in der sowjetischen Besatzungszone blieben nahezu alle Verfügungsrechte seines westdeutschen Besitzes gewahrt. Die Bundesregierung hatte sich in den Verhandlungen mit Großbritannien und den USA für Flick eingesetzt. 1952 wurde eine Einigung erzielt, die lediglich den Verkauf der Steinkohlegesellschaften vorsah, und dies zu üblichen Marktpreisen. Die Eisen- und Stahlwerke blieben voll in der Verfügungsgewalt der Flick KG.
Der Verkauf des Steinkohlegeschäfts brachte Flick zudem liquide Geldmittel in Höhe von insgesamt einer Viertelmilliarde DM. Der Aufstieg zu einem der größten Nachkriegskonzerne war vorgezeichnet.
Derweil erhielt nicht ein:e Zwangsarbeiter:in auch nur einen Pfennig Entschädigung!

Kaum aus der Haft entlassen, zählte Friedrich Flick schon wieder zu den reichsten Menschen der Bundesrepublik. 1955 besaß er wieder 100 Firmen mit einem Umsatz von rund 8 Milliarden DM. Mit 25 Prozent der Aktien der Daimler-Benz AG wurde er zum größten Anteilseigner des Konzerns.

NS-Verbrechen- war da was?

Flicks Beteiligung an den NS-Verbrechen schien längst vergessen. Im Jahr 1963 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen. Als Friedrich Flick 1972 starb, hinterließ er seinem Sohn Friedrich Karl Flick und den Kindern des mittlerweile in Ungnade gefallenen Erstgeborenen einen Konzern mit 330 Unternehmen, rund 300.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 18 Milliarden DM.

Doch die Geschäfte liefen nicht mehr nur rund und so sah sich der Milliardenerbe drei Jahre später gezwungen, das Aktienpaket von Daimler-Benz im Wert von fast zwei Milliarden DM an die Deutsche Bank zu verkaufen, um die Mittel für nötige Investitionen zu generieren. Das Problem an der Sache: Verkaufserlöse aus Aktien müssen versteuert werden. Doch ein Flick zahlt doch nicht Hunderte Millionen Steuern an den Fiskus ...
Zum Glück gab es einen kurzen Draht zum Wirtschaftsministerium – immerhin hatte Flick junior die »politische Landschaftspflege« von seinem Vater gelernt – und so erhielt er eine Sondergenehmigung und die erzielten Gewinne blieben steuerfrei.

Der Spendenskandal

Als dann Anfang der 1980er aber aufflog, dass der Flick-Konzern verdeckte Millionenspenden an Politiker:innen aller im Bundestag vertretenen Parteien gezahlt hatte – darunter auch der ehemalige sowie der amtierende Wirtschaftsminister, Hans Friderichs und Otto Graf Lambsdorff (beide FDP), welche die Sondergenehmigung erteilt hatten, geriet die »Flick-Affäre« an die Öffentlichkeit.
Friedrich Karl Flick selbst wurde nicht verurteilt, da sein Generalbevollmächtigter die alleinige Verantwortung für die Bestechung übernahm, doch der Aufstieg des Flick-Imperiums war zu Ende. 1985 verkaufte Flick den Rest seiner Unternehmen für 5,4 Milliarden DM an die Deutsche Bank und trieb sich fortan in der Münchner und Wiener Schickeria umher, bis er sich schließlich am Wörthersee niederließ, wo er 2006 verstarb.

Noch heute sitzen die Erben der Flick-Dynastie auf einem Milliardenvermögen. Einige von ihnen sahen sich durch öffentlichem Druck gezwungen, an den Entschädigungsfonds für Opfer von Zwangsarbeit zu spenden – die meisten weigern sich jedoch bis heute. Es ist ja auch ihr »wohlverdientes« Erbe, das sich ihre Vorfahren »hart erarbeitet« haben