Ein gutes Gesundheitswesen für alle

Wer in Deutschland in Armut lebt, hat eine teils dramatisch niedrigere Lebenserwartung – bis zu acht Jahre früher sterben wirtschaftlich benachteiligte Menschen. Das müsste nicht so sein. Doch um eine gute Gesundheitsversorgung für alle aufzubauen, muss das System der Zwei-Klassen-Medizin beendet werden. Dies war die zentrale Botschaft, die die Linken-Bundesvorsitzende Janine Wisser und der Sozialmediziner Dr. Gerhard Trabert, der als Teil des Spitzenteams der Linken für das Europaparlament antritt, auf einer Pressekonferenz am Montag überbrachten. Wissler und Trabert präsentierten einen Plan mit zahlreichen Vorschlägen, wie das Gesundheitssystem sozial gerecht umgestaltet werden kann.

„Soziale Ungerechtigkeit tötet Menschen, man muss es leider so drastisch sagen“, so Wissler. Die Parteivorsitzende kritisierte, dass Gesundheitsminister Lauterbach weiter am System der Fallpauschalen festhalte und über das Projekt einer Bürgerversicherung, für das der SPD-Politiker im Wahlkampf geworben habe, kein Wort mehr verliere. „Ob bei der Terminvergabe oder beim Warten in der Praxis, gesetzlich Versicherte sind in Deutschland Versicherte zweiter Klasse“, kritisierte Wissler. Gesundheitsversorgung müsse sich aber an medizinischen Kriterien orientieren, nicht am Geldbeutel der Patient*innen.

Trabert zeigte sich „erschüttert“, wie wenig die unzureichende Gesundheitsversorgung von Menschen am Rand der Gesellschaft öffentlich thematisiert werde. Der Sozialmediziner wies darauf hin, dass der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen arm und reich bei Frauen statistisch 4,4 Jahre, bei Männern sogar 8,6 Jahre betrage. „Wenn wir hier in Deutschland über Armut sprechen, bedeutet das eben nicht ‚nur‘ den Verzicht auf Konsumgüter, sondern das bedeutet, kränker zu sein, früher krank zu werden und früher sterben zu müssen“, so Trabert.

43 Prozent der Alleinerziehenden seien von Armut betroffen. Diese Bevölkerungsgruppe habe eine deutlich erhöhte Erkankungsquote Da 88 Prozent der Alleinerziehenden weiblich sind, seien besonders viele Frauen davon betroffen. Trabert kritisierte außerdem, dass viele Erkrankungen bei Frauen immer noch weniger zuverlässig diagnostiziert würden. Aber auch Alter, Migrationshintergrund oder Behinderungen können ebenfalls zu Hürden für die Versorgung von Patient*innen werden. Trabert zeigte auf, wie hier Zugangsbarrieren abgebaut werden könnten, etwa durch eine bessere Ausbildung von Ärzten in Gebärdensprache.

Um die massive Ungleichheit im Gesundheitssystem zu überwinden, fordert die Linke tiefgreifende Reformen. „Wir wollen die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen. Wir wollen eine solidarische Gesundheitsversicherung für alle, in die alle einzahlen“, fasste Wissler die Pläne der Partei zusammen. Die Beitragsbemessungsgrenze, ab welcher Gutverdiener keine Krankenkassenbeiträge auf zusätzliches Einkommen abführen müssen, will die Partei erst anheben und in einem zweiten Schritt ganz abschaffen. Hierdurch könnten die Beitragssätze sogar gesenkt werden, so Wissler. Denn dem Gesundheitssystem mangele es insgesamt nicht an Geld – doch zu viel davon fließe infolge von Privatisierungen als Profite an Privatinvestoren. Die Linke will deshalb ein Gewinnausschüttungsverbot für Krankenhäuser und ihre Rückführung in die öffentliche Hand.

Außerdem will die Partei die Benachteiligung von Kassenpatienten beenden. Bei der Terminvergabe dürfe es keine Unterschiede zu Privatpatienten mehr geben. Außerdem plant die Linke eine Vielzahl weiterer Verbesserungen im Gesundheitssystem, wie etwa das die Kostenübernahme für Brillen für  Erwachsene und kostenfreie gesundheitliche Beratungs- und Behandlungsstationen für Berufskraftfahrer an den Autobahnen. Er habe bei seinem Besuch bei streikenden LKW-Fahrern in Gräfenhausen erlebt, wie schlecht die Gesundheitsversorgung dieser Menschen sei, so Trabert. Nach französischem Vorbild soll es für sie nun unkomplizierte Hilfsangebote geben – unabhängig vom Versicherungsstatus.

Zwei-Klassen-Medizin abschaffen! Mit Janine Wissler & Dr. Gerhard Trabert
  • DIE LINKE