Keine Geschenke den Hohenzollern

Die Burgbesetzer von Rheinfels

Besetzer*innen auf dem Burgfried

Das Adelsgeschlecht der Hohenzollern lenkte die Geschicke Preußens und später des Deutschen Reichs. Die Bilanz dieser schrecklich netten Familie sind unzählige Kriege, darunter ein Weltkrieg. Führende Köpfe des Hauses Hohenzollern ebneten später den Nazis den Weg zur Macht. Lange Zeit war es still um die Familie. Doch jetzt melden sie sich zurück. Familienoberhaupt Georg Friedrich Prinz von Preußen fordert ein Wohnrecht im Schloss Cecilienhof bei Potsdam, zahlreiche Kunstwerke aus ehemaligem Familienbesitz und eine Millionenentschädigung für die Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg.

Während die frechen Forderungen vor allem Berlin und Brandenburg betreffen, sind die Hohenzollern auch tief im Süden der Republik aktiv. Dort erwarb Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I, im Jahre 1843 die Burgruine Rheinfels. Im Jahre 1924 wurde die Burg an die Stadt St. Goar übergeben. Ein Menschenleben später, im Jahre 1998, schloss die Stadt einen Erbpachtvertrag mit einem Hotelier für 99 Jahre. Das missfiel dem Ururenkel des Ex-Kaisers. Die Sache ging vor Gericht, wo der verhinderte Monarch unterlag. Der Prinz ging in Revision. Ein außergerichtlicher Vergleich zwischen St. Goar und Prinz Georg Friedrich von Preußen sah vor, dass ein Teil der Eintrittsgelder für die Burg an die Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung gehen soll. Dafür verzichten die Hohenzollern auf ihre ominösen Besitzansprüche.

Große Zustimmung vor Ort

Gegen diesen schmutzigen Deal regte sich Widerstand vor Ort. DIE LINKE sorgte dabei mit einer spektakulären Aktion für Wirbel. Mehrere Genoss*innen besetzten im Herbst 2019 den Burgfried von Rheinfels und entrollten dabei ein riesiges Protest-Banner: „Keine Geschenke den Hohenzollern“, war dort in großen Buchstaben zu lesen. „Wir wollten mit dieser Aktion gegen die Restaurationsversuche des Adels protestieren“, so der Kreisvorsitzende der LINKEN Rhein-Hunsrück, Roger Mallmenn. Der spektakuläre Protest machte Schlagzeilen und wurde auch vor Ort „fast durchweg positiv aufgenommen“, betont Mallmenn. „Während der Aktion waren natürlich Burgbesucher*innen unterwegs, die mit uns ins Gespräch kamen. Viele Bürgerinnen und Bürger schrieben mich per Brief oder Mail an und gratulierten uns zu der gelungenen Aktion.“ Auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch verzichteten die Verantwortlichen. „Das lag vielleicht auch daran, dass die Aktion in unserer Region durchweg positiv aufgenommen wurde und wir überwiegend Zustimmung aus allen politischen Richtungen erfahren haben“, mutmaßt Mallmenn.

Corona stoppt Bürgerbegehren

In St. Goar selbst ist der Deal hoch umstritten. Einige seien froh darüber, dass der Vergleich mit den Hohenzollern geschlossen wurde, so der gelernte Koch und Caterer. „Ohne Rechtssicherheit hätte das Land knappe 10 Millionen Euro Fördergeld für die Burgsanierung und Aufhübschung der Region für die Bundesgartenschau 2029 nicht ausgezahlt. Andere ärgern sich, dass die Hohenzollern ohne rechtlich geklärten Anspruch in den nächsten Jahren Millionen Euro an Eintrittsgeldern erhalten und mit ihrem Namen und der Burg für ihren Familienclan geschichtsrevisionistisch werben können“. Der Deal mit den Hohenzollern steht mittlerweile. Nachdem der Stadtrat St. Goar mit seiner absoluten SPD-Mehrheit den Vergleich für die Stadt angenommen hatte, startete DIE LINKE gemeinsam mit der CDU (!) ein Bürgerbegehren dagegen. Als die ersten 100 der benötigten 260 Unterschriften gesammelt waren, kam der Corona-Lockdown und die Sammlung fand ein jähes Ende. Das Bürgerbegehren kam nicht zustande. Doch Mallmenn ist trotzdem zuversichtlich: „Die Hohenzollern haben in St. Goar mithilfe der SPD einen Erfolg errungen, aber sie haben auch ersten Widerstand erfahren. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in Brandenburg und Berlin. Den dortigen Genossinnen und Genossen wünschen wir bei ihrer Volksinitiative `Keine Geschenke den Hohenzollern!` viel Erfolg. Das 5 x 5-Meter-Banner ist übrigens noch da und wir sind zu weiteren Schandtaten bereit“, betont Mallmenn.