Deutschlands Superreiche

Die 100 reichsten Deutschen - Teil 1

Die Reimanns verfügen über rund 33 Milliarden Euro und sind damit die reichste Familie Deutschlands. Aber woher stammt das Vermögen?

Leistung, Fleiß, Innovation und harte Arbeit? Das stecke hinter erfolgreichen Unternehmer:innen, so schaffe man es es an die Spitze - sagen die Liberalen.

Von wegen! Deutschlands Superreiche sind in der Regel schon reich zur Welt gekommen. Sie haben Vermögen geerbt, die sie weiter vergrößern konnten, indem sie ihr Geld für sich »arbeiten« ließen – meist in ausbeuterischster Praxis, auf Kosten von Mensch und Natur, oft verstrickt in und profitierend von Krieg und Faschismus.

Die »Jeder kann es schaffen«-Ideologie ist ein schlechter Witz, wenn man sich anschaut, wie die deutschen Superreichen tatsächlich zu ihrem Vermögen gekommen sind.

 

Wir stellen sie vor: Familie Reimann

Die Familie Reimann ist mit einem vom »Manager Magazin« auf 32 Milliarden Euro geschätzten Vermögen der wohl reichste Clan Deutschlands. Dabei kennt die Erben des Konzernimperiums so gut wie niemand. Sie leben in der Schweiz, in Italien und Österreich, dessen Staatsangehörigkeit mehrere von ihnen mittlerweile angenommen haben, um Steuern zu sparen. Ihr Geld parkt größtenteils im Steuerparadies Luxemburg. Dort hat die »JAB Holding« ihren Sitz, welche die Vermögenswerte von vier der Reimann-Erb:innen verwaltet.

Woher kommt das gewaltige Vermögen der Milliardärsfamilie?

Die Ursprünge des Aufstiegs des Reimann-Clans liegen bereits 170 Jahre zurück. 1851 gründete Karl Ludwig Reimann zusammen mit dem Salmiakhüttenbesitzer Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik. Ihre Nachkommen trieben das Geschäft im Laufe der Jahre voran. Der große Aufstieg begann jedoch erst in den 1930er Jahren unter der Geschäftsführung von Karls Enkel Albert Reimann senior. Der war glühender Nationalsozialist und bereits 1921 Mitglied des Vorstands der Ortsgruppe des »Alldeutschen Verbands« – einer radikal völkisch-nationalistischen Organisation, die in ihrem Antisemitismus der NSDAP in nichts nachstand.

Nach der Machtübergabe machte er schnell in der NSDAP Karriere und wurde Stadtrat in Ludwigshafen sowie Präsident der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz. 1937 schrieb er an Heinrich Himmler: »Wir sind ein über hundertjähriges, rein arisches Familienunternehmen. Die Inhaber sind unbedingte Anhänger der Rassenlehre.«

Die Regimetreue wurde mit mehreren Hundert Zwangsarbeiter:innen belohnt, die für die Reimanns schuften mussten. Belegt ist, dass es in den Werken und auch in der Privatvilla der Reimanns in Ludwigshafen immer wieder zu Gewalt und Missbrauch an Zwangsarbeiter:innen kam.


Unterstützer der NSDAP

Auch Albert Reimann junior, den der Vater früh in die Konzernleitung holte, war prominenter Unterstützer der NSDAP und Verbandsfunktionär, was ihn nicht daran hinderte, sich nach Ende der NS-Zeit als Opfer zu stilisieren. Er rettete nicht nur das Vermögen der Familie in die Bundesrepublik, sondern erhielt 1973 sogar das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern – ein ehrbarer deutscher Unternehmer eben, der mit Kassenschlagern wie Calgon, Clearasil und Sagrotan auch in der Nachkriegszeit Erfolge feierte.

Nach Alberts Tod 1984 ging der »Joh. A. Benckiser«-Konzern an dessen Kinder über. Ein Teil der Erb:innen verkaufte in den 1990ern ihre Anteile und gründete eigene Privatbanken und Stiftungen. Die im Unternehmen verbliebenen vier Reimann-Kinder überführten den Konzern in eine Finanzholding, die heute an zahlreichen Unternehmen weltweit beteiligt ist – unter anderem am Parfümhaus »Coty«, einem der weltweit größten Kaffeekonzerne »Jacobs Douwe Egberts« oder Anteilen am Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren »Reckitt Benckiser«. Marken aus dem Besitz der Familie Reimann stehen heute in jedem Supermarkt und jeder Drogeriefiliale.

Sklavenähnliche Arbeitsbedingungen

Zehntausende Beschäftigte weltweit sorgen dafür, dass bei den Reimanns stetig die Kassen klingeln. Auch wenn Zwangsarbeit nicht mehr zur Ausbeutungspraxis des Reimann-Clans zählen mag, sind sklavenähnliche Arbeitsbedingungen, etwa auf den Kaffee- und Kakaoplantagen, von denen der Rohstoff für einen nicht unerheblichen Teil der Milliardengewinne der Reimanns kommt, bis heute weit verbreitet.
In Guatemala etwa sind der Kampagne »Aktiv gegen Kinderarbeit« zufolge 30 Prozent der Kaffeearbeiter:innen Kinder, in Kenia sind es sogar 60 Prozent. Aber damit hat Deutschlands reichste Familie natürlich nichts zu tun.

Die Reimanns werden nicht der einzige deutsche Familienclan in dieser Reihe sein, dessen Reichtum eng mit Weltkrieg und NS-Zeit verbunden ist.
Doch es geht auch anders, wie wir im nächsten Teil dieser Serie über die Albrechts und das wohl größte kapitalistische Märchen der deutschen Nachkriegszeit sehen werden. Stay tuned!