Wahlen in MV: Zweikampf auf Kosten der Linken
- Redaktion
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern schrumpft Die Linke auf 6,5 Prozent. Während die Partei inhaltlich punkten konnte, wurde ihr das Zuspitzungsduell zwischen SPD und AfD zum Verhängnis.
Es ist paradox: Da macht Die Linke in Mecklenburg-Vorpommern einen engagierten Wahlkampf und verliert trotzdem Stimmen. An den Themen lag es nicht. Das zeigen die Zahlen von Infratest dimap: Beeindruckende 66 Prozent aller Wahlberechtigten – und fast die gesamte eigene Wählerschaft (94 Prozent) – befürworten es ausdrücklich, dass sich Die Linke klar gegen die Sozialreformen der Bundesregierung positioniert. Auch in zentralen Zukunftsfragen wie Klimawandel oder Krieg spiegelt die Partei die Ängste ihrer Anhängerschaft wider. Dennoch verliert die Partei 3,4 Prozentpunkte, sinkt auf 6,5 Prozent und büßt mehr als 24.000 Zweitstimmen im Vergleich zu 2021 ein. Das ist hauptsächlich der extremen Zuspitzung des Wahlkampfs auf das Duell um Platz 1 geschuldet.
Taktisches Wählen schrumpfte Die Linke
Die Ausgangslage war eigentlich ideal für Die Linke, die sich im Bundestag als lautstarke Opposition gegen den Sozialraub der Bundesregierung profiliert hat. Denn die Landtagswahl war geprägt von einem massiven Unmut über die Bundespolitik. Satte 91 Prozent der Menschen im Land zeigten sich unzufrieden mit Merz und Co. Fast sechs von zehn Wähler*innen wollten ein deutliches Warnsignal nach Berlin senden. In einer Atmosphäre, in der finanzielle Sorgen dominierten – 67 Prozent befürchten, bald ihre Rechnungen nicht mehr zahlen zu können –, bündelte sich der Protest bei der AfD als Auffangbecken der wirtschaftlich Frustrierten. So wählten 81 Prozent der Menschen in wirtschaftlich schlechter Lage die AfD. Auch bei Arbeiter*innen konnten die Rechtspopulisten mit 51 Prozent massiv abräumen. Hier gelang es der Linken kaum, Proteststimmen zurückzugewinnen.
Gleichzeitig positionierte sich die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als letzte Bastion gegen die AfD. So wurde der Wahlendspurt zu einem Duell zwischen Schwesig – der selbst ernannten „Frau gegen Blau“ – und dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm. Diese Konstellation wurde der Linken zum Verhängnis. Der Großteil der Wählerwanderung führte direkt zur SPD: Rund 15.000 Stimmen verlor Die Linke an die Sozialdemokraten. Auch weil die inhaltliche Abgrenzung zur SPD schwierig war. Zum einen wurde man als kleiner Koalitionspartner der SPD wahrgenommen. Zum anderen bescheinigen 73 Prozent der Wahlberechtigten Schwesig eine gute Haltung, weil sie auf Distanz zu den eigenen Genoss*innen in Berlin gegangen war.
Das eigentliche Problem aber war das taktische Kalkül. In einem Wahlkampf, der von der Zuspitzung »Schwesig gegen die AfD« dominiert wurde, entschieden sich viele Wähler*innen für das kleinere Übel. Sie stimmten für die SPD, um die AfD als stärkste Kraft zu verhindern – obwohl sie sonst bei der Linken ihr Kreuz gemacht hätten. Dass zwei Drittel der Linken-Wähler*innen die Partei wegen ihres Programms wählten, unterstreicht dieses Dilemma: Die Stamm- und Überzeugungswählerschaft blieb, aber die Wechselwähler*innen gingen zur SPD.
Schwach auf dem flachen Land
Neben dem taktischen Dilemma offenbart das Wahlergebnis jedoch auch eine strukturelle Verwundbarkeit der Partei. Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von ländlichen Räumen und Kleinstädten. Es gibt mit Rostock nur eine einzige Großstadt. Lediglich neun Städte zählen überhaupt mehr als 20.000 Einwohner*innen. Während Die Linke ihre Hochburgen in den städtischen Zentren verteidigen und bei jüngeren Menschen punkten konnte – mit Spitzenwerten von 28 Prozent bei den unter 25-jährigen Frauen und überdurchschnittlichen Werten bei Akademiker*innen (10 Prozent) –, verlor sie in der Fläche den Anschluss. Zudem zeigen die Zahlen, dass viele Wähler*innen Die Linke nicht mehr als Vertreterin ostdeutscher Interessen wahrnehmen. Und 37 Prozent aller Wahlberechtigten gaben an, dass sie die Partei mittlerweile als eine Kraft sehen, die vor allem die Interessen von Großstädter*innen bedient. In einem Bundesland mit einem hohen Altersdurchschnitt (über ein Viertel der Bevölkerung ist älter als 65 Jahre) und wenigen größeren Städten war das ein echter Nachteil.
Das Fazit: Unsere Positionen zu Sozialpolitik und Verteilungsgerechtigkeit waren und sind im Land mehrheitsfähig. Was gefehlt hat, war die eigene Durchschlagskraft in einer polarisierten Wahlkampfatmosphäre. Im Machtkampf zwischen SPD und AfD wurde Die Linke nicht als entscheidender Gestaltungsfaktor wahrgenommen. Zumal es Schwesig mit ihrer Kritik an der Bundesregierung den Wechselwähler*innen einfacher machte, ihr Kreuz bei der SPD zu machen.
So ist Die Linke zum dritten Mal in diesem Jahr ein Opfer taktischen Wahlverhaltens geworden. In Baden-Württemberg wurde unsere Partei auf der Zielgeraden vom Duell zwischen Grünen und CDU unter 5 Prozent gedrückt, obwohl sie in den Umfragen monatelang bei 7 bis 8 Prozent rangiert hatte. In Sachsen-Anhalt machten taktisch Wählende ihr Kreuz bei Grünen und SPD, um eine AfD-Mehrheit im Landtag zu verhindern.