Heizkostencheck: „Jede vierte Abrechnung ist fehlerhaft“

Aus Angst vor der Rechnung drehen viele ihre Heizung runter

Im Dezember 2024 startete Die Linke ihre Heizkostenchecks. Seitdem prüften unsere Genoss*innen tausende Abrechnungen und konnten vielen Menschen helfen, ihr Geld vom Vermieter zurückzuholen. „Links bewegt“ sprach mit Ines Koburger, die in unserer Bundesgeschäftsstelle die Kampagne betreut. Hier erklärt sie, wie so ein Check funktioniert, welche Wirkung das auf die Menschen vor Ort hat und wie wir in Frankfurt 60.000 Euro für die Mieter*innen zurückholten. 

Ines, du kümmerst dich im Rahmen von „Die Linke hilft“ um die Heizkostenaktion. Gerade gab es in Frankfurt am Main einen großen Erfolg. Was habt ihr dort erreicht?
Wir haben in Frankfurt tausenden Mieter*innen geholfen, Erstattungen für falsch abgerechnete Heizkosten einzufordern. Insgesamt 1.500 Haushalte bekommen nun Geld vom Energielieferanten Mainova zurück – insgesamt rund 60.000 Euro. Das zeigt: Links wirkt. Diese Entscheidung ist jedoch keine Wohltat der Mainova, sondern das Ergebnis unseres gemeinsamen Kampfs von unten, den wir Seite an Seite mit den Betroffenen führen.

Wie ist es euch gelungen, das Geld erfolgreich zurückzufordern?
Wir stoßen immer wieder auf dasselbe Problem: Der tatsächliche Verbrauch einer Wohnung kann nur mit eingebauten Wärmemengenzählern korrekt gemessen werden – nur so ist eine verbrauchsabhängige Abrechnung überhaupt möglich. Das schreibt die Heizkostenverordnung bereits seit 2014 vor. Ohne diese Geräte zahlen viele Mieter*innen zu viel, weil Vermieter*innen pauschale oder fehlerhafte Werte ansetzen. Was viele nicht wissen: Betroffene haben in diesem Fall das Recht, 15 Prozent der Heiz- und Warmwasserkosten einzubehalten oder zurückzufordern.

Ihr habt bereits tausende Heizkostenabrechnungen überprüft. Wie hoch ist die Fehlerquote?
Der Anteil fehlerhafter Abrechnungen, die wir eindeutig prüfen können, liegt bei etwa 25 Prozent. Da wir auch unvollständige Unterlagen bekommen, finden wir etwa bei jeder fünften eingereichten Abrechnung konkrete Fehler. Um noch mehr Menschen zu helfen, haben wir unseren Check im Dezember 2025 um den CO₂-Check erweitert: Wer Gas oder Öl direkt selbst kauft, hat Anspruch darauf, dass sich die Vermieter*innen an den CO₂-Kosten beteiligen. Wir helfen dabei, diesen Anteil zu berechnen und einzufordern.

Tricksen Vermieter*innen absichtlich oder handelt es sich eher um ein Versehen bei komplizierten Abrechnungen?
Bei unserem Heizkosten-Check prüfen wir gezielt auf gesetzliche Vorgaben. Wenn eine Abrechnungsmethode angewendet wird, die seit über zehn Jahren illegal ist, kann man wohl davon ausgehen, dass es vielen Vermieter*innen schlichtweg egal ist. Wir unterstützen die Mieter*innen dabei, gemeinsam ihr Recht durchzusetzen. Wichtig ist jedoch: Unser Check ist keine vollumfängliche Nebenkostenprüfung. In einer Abrechnung können noch viele weitere Fehler stecken. Für tiefere Prüfungen verweisen wir in der Regel an die örtlichen Mietervereine oder die Verbraucherzentralen.

Was passiert, wenn ihr einen Fehler entdeckt? Wendet ihr euch direkt an die Vermieter*innen?
Nein. Wenn wir einen Fehler finden, informieren wir die Mieter*innen und geben ihnen eine Handlungsempfehlung. Wir stellen einen erprobten Musterbrief zur Verfügung. Der muss nur noch ausgedruckt, unterschrieben und an die Vermietung geschickt werden.

Wie viel Geld könnt ihr im Schnitt zurückholen?
Wir haben das stichprobenartig ausgewertet: Im Schnitt bekommen Mieter*innen zwischen 100 und 150 Euro zurück.

Oft ist nicht nur ein einzelner Haushalt betroffen, sondern der ganze Block. Wie erreicht ihr die Nachbarschaft?
Das machen die Aktiven unserer Mietenkampagne vor Ort. Sie suchen das Gespräch an der Haustür und organisieren Mieter*innenversammlungen, um gemeinsam Widerspruch einzulegen. Oft reagieren Vermieter*innen erst auf den Druck der Vielen. Wir unterstützen diesen Zusammenschluss und begleiten ihn mit Öffentlichkeitsarbeit. In den persönlichen Gesprächen kommen meist noch weitere Missstände zur Sprache. Wenn man gemeinsam handelt, lässt sich dem Gefühl der individuellen Ohnmacht etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Was passiert nach den erfolgreichen Beratungen? Bleibt ihr mit den Leuten in Kontakt?
Eine Rückerstattung von 15 Prozent der Heizkosten löst noch kein großes, politisches Problem. Aber es eröffnet einen ersten gewinnbaren Konflikt mit dem Vermieter und sorgt für einen Anlass, Mieter*innen mit einem gemeinsamen Ziel zusammenzubringen. Für viele Mieter*innen ist das oft das erste Mal, dass sie sich gegen den Vermieter aktiv wehren. So können sie ein Gefühl von gemeinsamer Stärke entwickeln. Das gemeinsame Erfolgserlebnis schafft dann die Grundlage, um aktiv zu bleiben und weitere Probleme anzugehen. Die Genoss*innen vor Ort bleiben daher in Kontakt. Sie unterstützen die Selbstorganisierung und laden die Mieter*innen ein, bei weiteren Aktionen in der Nachbarschaft oder in anderen Stadtteilen mitzumachen und in der Linken aktiv zu werden.

Solche Prüfungen sind ja nicht immer einfach. Wie organisiert ihr das fachlich? Bildet ihr die Freiwilligen aus, schult ihr sie? 
Zusammen mit der BAG „Die Linke hilft“ haben wir ein bundesweites ehrenamtliches Prüfteam sowie rund 20 lokale Teams aufgebaut. Es gibt fundierte Schulungen, gemeinsame Prüfabende und Austauschgruppen. Für die kommenden Monate erwarten wir tausende neue Einreichungen. Wer beim Prüfen mitmachen oder vor Ort ein Team aufbauen möchte, kann sich gerne direkt bei mir melden.

Wie können sich Betroffene an euch wenden? Wo findet man euch und kann Kontakt aufnehmen? 
Die meisten Abrechnungen erreichen uns digital über unsere App bzw. das Formular auf heizkostencheck.app. Man kann uns die Unterlagen aber auch per E-Mail an heizkosten@die-linke.de oder per Post an die Bundesgeschäftsstelle schicken. Zudem bietet Die Linke an vielen Orten Sozialberatungen an, wo Mieter*innen auch persönlich vorbeikommen können.

Und wo melden sich Genoss*innen, die euch bei der Kampagne unterstützen und selbst mal Abrechnungen prüfen wollen?
Sehr gerne direkt per E-Mail bei mir unter ines.koburger@die-linke.de oder direkt vor Ort bei den jeweiligen AGs der Mietenkampagne. Für alle, die einfach mal so mitmachen wollen: Am 6. Dezember findet zum Nikolaus ein bundesweiter Aktionstag mit Heizkosten-Checks statt. Ziel ist, in 100 Siedlungen unterwegs zu sein.