Wahlanalyse: Was den Sieg in Berlin so bemerkenswert macht

Jung und wütend: Die Wähler*innen der Linken in Berlin

Wenn Die Linke die soziale Frage kompromisslos in den Mittelpunkt stellt, kann sie Wahlen gewinnen. Der Blick auf die Statistiken zeigt zudem, wie stark unsere Partei bei jungen Wähler*innen und Arbeiter*innen abschneidet. Und es gibt weitere bemerkenswerte Zahlen.

„Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen es zu einem besseren Ort“, mit diesen Worten bejubelte Elif am Sonntag den Wahlsieg der Linken in Berlin. Mit einem historisch starken Ergebnis von mehr als 25 Prozent zieht Die Linke als stärkste Kraft ins Abgeordnetenhaus ein. Dieser Wahlsieg war kein Zufall und ist kein Ausdruck spontaner Wahlentscheidungen. Tatsächlich wurde Die Linke gewählt, weil sie mit der Mietenkrise das richtige Thema in den Vordergrund stellte. Was Presse und viele Politiker*innen als „umstrittene Konzepte“ abtun, erweist sich in der Lebensrealität der Berliner*innen als die einzig plausible Antwort auf die Krise. Dabei wurde auf allen Kanälen vor der Linken und ihren „Enteignungs-Plänen“ gewarnt. Doch Elif und ihr Team ließen sich davon nicht beeindrucken. Keine Kompromissangebote, keine weichgespülte Botschaft und kein Entgegenkommen.

Die Linke hat das Thema Wohnen nicht als abstraktes Wahl-Thema kommuniziert, sondern als existenzielle Frage. Dass Medien und Experten die verfassungsrechtlich gedeckte Enteignung von Wohnkonzernen als „Gefahr“ framen und auf aktuelle Umfragehürden verweisen, ist kalkulierte Stimmungsmache. Die Grundsatzentscheidung der Berliner Bevölkerung steht: Bereits 2021 stimmten über 59 Prozent beim Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ für die Überführung des Wohnraums in Gemeineigentum. Unter den Unterstützer*innen der Linken stehen 72 Prozent fest hinter der Vergesellschaftung.

Die Wähler*innen vertrauen der Linken 

Die Linke zeigte sich in der Wohnungspolitik kompromisslos – und das kam bei den Wähler*innen an, wie die Zahlen von Infratest dimap zeigen: 37 Prozent der Befragten trauen der Linken die besten Lösungen für bezahlbares Wohnen zu – ein Anstieg um 15 Prozentpunkte gegenüber 2023. Damit führt Die Linke das Ranking mit großem Abstand an. Die Konkurrenz wurde deutlich abgehängt: Die SPD kommt hier auf 11 und die CDU mit ihren Freunden von der Immobilienmafia nur auf 8 Prozent. Die Wähler*innen haben verstanden: Es geht hier nicht um Schulden, sondern um die langfristige Rekommunalisierung der Grundversorgung. Schon 2021 holte sich Berlin sein Stromnetz vom Vattenfall-Konzern zurück. Heute gehört das Netz vollständig dem Land Berlin und wird als landeseigene Gesellschaft betrieben. Alles ganz normal.

Der Wahlsieg verdankt sich nicht nur der Mietenpolitik. Erstmals spricht eine Mehrheit der Linken die allgemeine Problemlösungskompetenz in der Hauptstadt zu. Mit 20 Prozent führt Die Linke die Kompetenzzuschreibungen vor der CDU an. Selbst in der konservativen Paradedisziplin Wirtschaft konnte Die Linke massiv zulegen. Offenbar verstehen immer mehr Menschen, dass echte Wirtschaftskompetenz nicht die Profite von Großkonzernen, sondern das Wohl der Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt. Wie wahlentscheidend die Inhalte waren, sieht man auch an einer anderen Zahl, die die "Tagesschau" am Montag veröffentlichte. Demnach war die Spitzenkandidatin nur für 15 Prozent der Linken-Wählenden der Hauptgrund für ihr Kreuz bei der Linken. „Für die allermeisten war das Programm der Partei ausschlaggebend“, so die "Tagesschau".

Besonders stark bei jungen Menschen

In Berlin zeigte sich auch: Nicht die Mitgliedschaft der Linken hat sich verjüngt, sondern auch die Wähler*innen. Wie keine andere Partei profitierte Die Linke von der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre. Die Linke konnte ihr Ergebnis im Vergleich zu 2023 verdoppeln und ist mit Abstand zur stärksten Kraft unter jungen Wähler*innen geworden: Sensationelle 43 Prozent aller 16- bis 24-Jährigen machten ihr Kreuz bei der Linken (plus 25 Prozent gegenüber 2023). Noch besser kamen Elif und ihr Team bei den 25–34‑Jährigen an: 49 Prozent stimmten für die Linke – ein Plus von 32 Prozent gegenüber 2023. Die junge Großstadtbevölkerung verlangt nach radikalen Antworten auf die Systemkrise.

Das kommt auch bei den Arbeiter*innen an. Zwar ist die AfD hier mit 30 Prozent die beliebteste Partei. Doch gleich dahinter folgt Die Linke, der 26 Prozent der Arbeiter*innen die Stimme gaben. Auch erfreulich: Unsere Partei konnte fast 75.000 Nichtwähler an die Urnen locken. Zudem ist die ehemals grüne Hochburg Kreuzberg nun rot: Die Linke konnte hier am Sonntag alle fünf Direktmandate erobern. Dieser Wahlsieg zeigt klar: Eine kompromisslose linke Politik, die die Interessen ihrer Wähler*innen konsequent vertritt, ist mehrheitsfähig. Berlin hat gezeigt, was möglich ist.