Eine Puppe als Mitmensch
- Neue Visionen Filmverleih.
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Sophie Beaulieu widmet sich in „Frühstück bei Audrey“ der Einsamkeit in der Gesellschaft. Eigentlich eine Komödie voller Gags, erzählt der Film doch viel über das zunehmende Alleinsein im Spätkapitalismus.
In Sophie Beulieus Komödie „Frühstück bei Audrey“ hat sich Kunstrasenverkäufer Rémi nach der Trennung von seiner Jugendliebe vom typischen Gesellschaftsleben der Mittelschicht – Grillen im Sommer, Sport, Theaterbesuch, Kneipe – zurückgezogen, und versenkt sich in der Freizeit in historische Studien und TV‑Dokumentationen. Gesellschaft leistet ihm die lebensgroße Puppe Audrey, die erwartbar wenig Ansprüche stellt und ohne große Gegenrede Rémis Berichten von Kundengesprächen zuhört. Rémi ist sein Leben nach außen hin peinlich. Erstens, weil die Kollegen und Freunde Familien haben, zweitens, weil sie ihn für einen neurotischen Spinner halten könnten.
Trotzdem könnte alles so bleiben, würde Audrey ihm nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Eines Morgens erwacht sie als echter Mensch in Rémis Bett, bringt von Beginn an Chaos in die Bude, weil sie beständig die neue mit der Puppenrolle wechselt. Natürlich will sie das neue Leben erkunden. Tja, sie entpuppt sich dabei als sehr offenherziger Charakter mit ansprechendem Äußeren. Ihr irrwitziges und dennoch gekonntes Stolpern durchs neue Leben gibt der Handlung ständig neue Spins. Ihre beste Performance liefert sie, als Rémi sie seinen Eltern vorstellt. Vor allem Rémis Mutter spiegelt sich im Charakter der Dienstleistungspuppe.
Bald aber beginnt sie, sich auch schrecklich zu langweilen, schließlich hängt sie den ganzen Tag im Haus rum und kennt niemanden. Rémi sieht sich vor völlig neue Herausforderungen gestellt, zumal er die leicht überdrehte und auch vom Beziehungsleben schwer gezeichnete Patricia als Elternzeitvertreterin bekommt, die gänzlich neue Herangehensweisen ans Kunstrasenverkaufen testet. Sie wird so zur Konkurrentin, weil sie alles besser kann und unschlagbare soziale Kompetenz aufweist. Eingeklemmt zwischen Ansprüchen zu Hause und im Job wird das Leben für ihn zur permanenten Überforderung.
Der kurzweilige Film erzählt dies anhand sich überschlagender Gags und verrückter Situationen. Er ist ein kleines, rasches Werk von kaum 80 Minuten. Dennoch klingt die Härte der Einsamkeit immer wieder bei allen Figuren durch. Ob Vater in Elternzeit, gestresste Mutter oder Dauersingle in der Midlife-Crisis: Alle erleben hier Momente tiefen Alleinseins – gern auch und gerade dann, wenn Menschen um sie herum sind. Man redet sich ein, dass die eigene Situation im Prinzip selbst gewählt ist, und weiß doch gleich, dass dies nur eine schlechte Ausrede ist.
Wenn auch der ein oder andere Gag ein wenig mau daherkommt: Dies ist eine erstaunlich pointierte Persiflage auf die Arbeit und das Leben.
„Frühstück bei Audrey“. F 2025. Regie: Sophie Beaulieu. Mit Vincent Macaigne. Zoé Marchal. Kinostart: 10. September 2026 [Trailer]