Politische Endzeit
In Nicolas Ehrets dystopischem Film „Morgen war Krieg“ sind die Grenzen dicht. Deutschland wird von einem faschistischen Regime regiert und ist aus der EU ausgetreten. Schließlich bricht ein Krieg aus ...
Jonas fühlt sich sichtlich unwohl. Gerade wurde der 33-Jährige für den Wehrdienst gemustert, der Offizier freut sich: Herzlichen Glückwunsch zur Wehrdiensttauglichkeit. Das verheißt nichts Gutes. Denn in Nicolas Ehrets dystopischem Spielfilm „Morgen war Krieg“ steht Deutschland gerade vor dem Kriegsausbruch mit einer nicht näher genannten Macht. Hauptfigur Jonas, der für seine kleine Halbschwester Leonie verantwortlich ist, seitdem Mutter und Stiefvater bei einem Autounfall ums Leben kamen, sieht sich vor einer existenziellen Krise: Wer kümmert sich um das Kind, wenn er im kommenden Krieg eingesetzt wird, womöglich sogar ums Leben kommt?
Der Entschluss steht: Die beiden hauen ab vor Kreiswehrersatzamt und Feldjägern, flüchten zu Jonas’ Vater, der an der Oder als Fährmann arbeitet oder arbeitete. Denn die Grenze zu Polen ist dicht für Deutsche, Polen, Geflüchtete und Waren. Es gibt nichts mehr überzusetzen. In der Folge werden die drei versuchen, vor dem Krieg zu fliehen, immer die Oder rauf bis ans Meer.
Die Politik taucht nur sporadisch in der Handlung auf: Mal wird erwähnt, dass Deutschland nun von einem faschistischen Regime beherrscht wird, mal bricht die Kunde vom Kriegsausbruch über die drei herein. Seltsame Begegnungen mit Mitgliedern einer Bürgerwehr, die den Zaun zu Polen in Eigenregie übernehmen, oder in einer Klinik für Menschen, die sich am Grenzstacheldraht verletzen, sorgen für Verstörung. Genauso wie gewalttätige Auseinandersetzungen mit Flüchtenden, die die Oder trotz aller Sperren überqueren wollen.
Einen Ausweg gibt es für all die Menschen nicht. Alles, was sie erreichen können, sind kurze Phasen der Rast. Ehret hat Tendenzen der Gegenwart in die nahe Zukunft extrapoliert und einen Film gedreht, der zur Diskussion anregen soll.
„Morgen war Krieg“. D 2026. Regie: Nicolas Ehret. Mit Enno Trebs, Ulrich Matthes. Kinostart: 24. September 2026. Link zum Trailer