Wir werden das Jahr 2026 mit vollen Händen greifen!
Am vergangenen Freitag lud Die Linke zum Jahresauftakt nach Berlin. Schon jetzt ist klar: 2026 wird ein entscheidendes Jahr: für unsere Partei, für Deutschland und die Welt. Wir dokumentieren hier die Rede unserer Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner.
"Vor genau einem Jahr sah die Lage für unsere Partei noch ganz anders aus. In Umfragen lagen wir bei vier Prozent. Es wurde offen darüber gesprochen, ob diese Partei überhaupt noch eine Zukunft hat. Heute stehen wir hier – ein Jahr später. Größer, sichtbarer, handlungsfähiger. Nicht, weil sich die politischen Bedingungen verbessert hätten. Sondern, weil sich etwas in dieser Partei bewegt hat. Dass zwischen diesen beiden Momenten gerade einmal ein Jahr liegt, ist immer noch ein bisschen verrückt.
Und genau diese Bewegung braucht es in einer Welt, die voller Widersprüche ist. Zu Beginn dieses Jahres konnte man das sehr deutlich sehen. In New York wurde mit Zohran Mamdani ein demokratischer Sozialist zum Bürgermeister vereidigt. Ein Erfolg, der zeigt, was möglich ist, wenn linke Politik organisiert ist, Mehrheiten gewinnt, sich am Alltag der Menschen orientiert und klar in der Sprache ist. Kaum zwei Tage später hat Trump Venezuela angegriffen und dessen Präsidenten entführt. Wieder einmal wurde deutlich, wie schnell das Völkerrecht zur Verhandlungsmasse wird, wenn es den geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Mächtigen im Weg steht.
An unserer Partei kommt man politisch nicht mehr vorbei
Während die Bundesregierung dazu geschwiegen hat, haben wir Position bezogen. Wir haben nicht abgewartet und nicht relativiert, sondern klar benannt, was hier passiert. Und wäre nicht gestern die Wetterwarnung reingeschneit, hätten wir heute Nachmittag schon vor der US-Botschaft gegen diesen Angriff demonstriert. Das Winterwetter wird uns nicht aufhalten - gemeinsam mit unseren Verbündeten aus lateinamerikanischen Initiativen werden wir nicht still zuschauen, wie das Völkerrecht gebrochen wird.
Und genau das werden wir auch in diesem Jahr zeigen: dass eine klare linke Haltung wieder sichtbar ist – und dass man an unserer Partei politisch nicht mehr vorbeikommt.
Das Leben wird teurer und unsicherer
Viele Menschen erleben, dass ihr Leben nicht nur teurer, sondern unsicherer wird. Steigende Mieten, höhere Preise, wachsende Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz. Die schwarz-rote Bundesregierung redet von Verantwortung und Stabilität, betreibt aber den gezielten Abbau sozialer Sicherheit. Der Sozialstaat wird nicht modernisiert, er wird angegriffen. Leistungen werden gekürzt, Rechte in Frage gestellt, während gleichzeitig Milliarden in Aufrüstung fließen. Am Ende steht weniger Sicherheit für die Mehrheit – und mehr Unsicherheit im Alltag.
In dieser Situation hat Merz die Regierungsfraktionen in einem Brief auf ein sogenanntes Jahr der Reformen eingeschworen. Machen wir uns nichts vor: Was hier als Reform verkauft wird, bedeutet in der Praxis weitere Kürzungen, verschärfte Verteilungskonflikte und neue Angriffe auf den Sozialstaat. Es ist der Versuch, die Kosten der Krise erneut auf diejenigen abzuwälzen, die ohnehin schon unter Druck stehen.
2026 wird auch ein Jahr des Widerstands
- Martin Heinlein/Die Linke
- Die Linke
Dieses Jahr wird deshalb auch ein Jahr des Widerstands sein. Ein Jahr, in dem wir uns diesen Angriffen gemeinsam entgegenstellen müssen – im Parlament, auf der Straße, in Betrieben, Initiativen und Verbänden. Gemeinsam mit Gewerkschaften, mit Sozialverbänden und Initiativen, mit kritischen Ökonominnen und Künstlern, die diese Politik nicht hinnehmen wollen. Diese Politik trifft nicht irgendwen. Sie trifft die arbeitenden Menschen, Rentnerinnen und Rentner, Familien, Alleinerziehende. Und sie hinterlässt ein Gefühl von Ohnmacht und Wut, das von rechts systematisch aufgegriffen wird – längst nicht mehr nur im Osten.
Dass die Faschisten davon profitieren, ist kein Naturgesetz. Sie wachsen dort, wo Menschen das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Wo ihre Sorgen klein geredet oder gegen andere ausgespielt werden.
Was dagegen hilft, ist keine moralische Belehrung. Es ist eine Politik, die zuhört, die da ist, die konkret unterstützt – und die klar benennt, wo die eigentlichen Probleme liegen. Eine Politik, die Menschen ernst nimmt und ihnen wieder das Gefühl gibt, handlungsfähig zu sein. Genau dafür sind wir angetreten. Nicht, um Hoffnung zu versprechen – sondern um sie gemeinsam zu organisieren. Wir werden das auch im kommenden Jahr tun, mit der Gewissheit, dass es sonst niemand für uns tun wird.
Wir wollen uns da verankern, wo linke Politik gebraucht wird
- Martin Heinlein/Die Linke
- Die Linke
Wahlen sind für uns kein Selbstzweck. Sie sind Teil einer größeren Aufgabe: uns dort zu verankern, wo linke Politik gebraucht wird. Gleich zu Beginn des Jahres werden wir in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz um den Einzug in die Landtage kämpfen. Mit dem Anspruch, dort eine linke Opposition aufzubauen, die soziale Fragen konsequent in den Mittelpunkt stellt – und die politische Debatte verändert, weil sie die Perspektive der arbeitenden Mehrheit sichtbar macht.
Bei den Kommunalwahlen in Bayern, Hessen und Niedersachsen sind wir vielerorts wieder präsent – in Städten und Gemeinden, wo niemand geglaubt hätte, dass es überhaupt oder wieder Linke gibt. Wir sind im Westen so stark wie nie zuvor. Und genau hier geht es um langfristige Verankerung: vor Ort, im Alltag der Menschen, jenseits von Wahlkampfphasen.
Wir wollen uns dem Vormarsch der Faschisten entgegenstellen!
In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind wir Anlaufstelle für alle, die sich dem Vormarsch der Faschisten entgegenstellen und den Steigbügelhaltern der CDU nicht trauen. Wir bieten klare Orientierung, verständliche Antworten und konkrete Lösungen für die Probleme, die viele Menschen tagtäglich erleben. Eine CDU, deren Ministerpräsident sich im Wahlkampf feige drückt, braucht niemand. In Halle und Magdeburg, in Rostock und Greifswald zeigen wir: Ihr seid nicht allein. Es gibt eine Partei, die an eurer Seite steht, die sich für euer Leben interessiert und die jede soziale Errungenschaft verteidigt, die im Osten über Jahrzehnte erkämpft wurde. Damit können wir auch Direktmandate gewinnen!
In Berlin haben wir gerade gesehen, was passiert, wenn an der Infrastruktur und am Katastrophenschutz gespart wird. Wir wollen zeigen, dass eine soziale, funktionierende Stadt möglich ist. Eine Stadt mit bezahlbaren Mieten und einem bezahlbaren Leben. Eine Stadt, die sich dem Kürzungswahn nicht unterwirft und Stillstand überwindet. Eine rote Metropole mit einer Bürgermeisterin, die Anwältin der einfachen Leute ist – und nicht bloß Verwalterin des Bankrotts. Wir alle als Partei werden den wahlkämpfenden Landesverbänden und ihren Spitzenkandidatinnen zur Seite stehen. Wir sind stolz auf sie alle und wir werden überall zeigen: an der Linken führt kein Weg vorbei.
- Martin Heinlein/Die Linke
- Die Linke
Wir sind jetzt mehr als 122.000!
Auch als Partei haben wir uns für dieses Jahr viel vorgenommen. Schon morgen beginnen die Arbeiten an unserem Grundsatzprogramm. Eine moderne Partei braucht ein modernes Programm. Wir sind in den letzten Monaten stark gewachsen. Von rund 55.000 auf über 122.000 Mitglieder. Mit diesem Wachstum wachsen auch die Erwartungen – an Klarheit, an Orientierung, an Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Wir trauen uns zu, diese Antworten zu geben. Zu Krieg und Frieden, zu Aufrüstung und Völkerrecht. Zum sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft. Zur Realität einer modernen Migrationsgesellschaft. Und zu den Herausforderungen von Regionen, in denen Industrie, Arbeit und soziale Sicherheit unter Druck stehen.
Eine sozialistische Partei muss benennen, was falsch läuft
Eine sozialistische Partei muss verständlich sein. Sie muss benennen, was falsch läuft – und sagen, was wir konkret ändern wollen.Ob Mietendeckel oder gerechte Löhne, ob sichere Renten oder ein starker Sozialstaat: Unsere Sprache entscheidet darüber, ob Menschen uns verstehen – und ob sie uns zutrauen, ihre Interessen zu vertreten. Die Linke lebt aber nicht nur von Programmen. Sie lebt von ihrer alltäglichen Praxis. Von Haustürgesprächen und Heizkostenchecks. Von Sozialsprechstunden. Von Demonstrationen. Von parlamentarischer Arbeit. Und von der Solidarität am Streikposten.
Was wir jeden Tag tun, hält unseren Kurs geerdet. Es sorgt dafür, dass unsere Politik bei den Menschen bleibt, für die wir sie machen.
Jan und ich können sagen: Wir sind stolz auf das, was wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit so vielen engagierten Genossinnen und Genossen aufgebaut haben. Nicht, weil alles gelöst wäre. Sondern weil diese Partei wieder weiß, wofür sie da ist.
Im kommenden Jahr werden wir diese Arbeit fortsetzen. Wir werden das Jahr 2026 mit vollen Händen greifen.