Widerstand gegen die Perspektivlosigkeit
Johanna Schellhagen sucht in ihrem neuen Film „Jeder Acker, jede Fabrik“ nach Auswegen. Denn der Kapitalismus ist am Ende, seine Zerfallsprodukte bedrohen Staaten und Menschen. Darum interviewt sie Menschen, die was verändern wollen.
Sozialabbau, Aufrüstung, neue Technologien und vor allem: Profit. Johanna Schellhagen nimmt in ihrem Dokumentarfilm „Jeder Acker, jede Fabrik“ aktuelle Entwicklungen unter die Lupe und macht eine Systemkrise aus. Der Kapitalismus ist am Ende, seine Zerfallsprodukte bedrohen Staaten und Menschen. Soweit bekannt.
Dabei will sie es natürlich nicht belassen. Für eine Bestandsaufnahme des Widerstands gegen die ausgemachte Perspektivlosigkeit besucht sie Arbeiterinnen aus Autofabriken, Mitarbeiter von Energiekonzernen und IT-Betrieben, Pharmavertreterinnen, Biobauern, Theoretiker. Diese eint, dass sie den althergebrachten Konzepten von Wirtschaft und Arbeit keinen Glauben mehr schenken, Lücken im System ausmachen und für eine andere Sicht aufs Gemeinwesen stehen.
Produkte schaffen, um Geld zu verdienen oder um das Leben lebenswerter zu machen? Das ist hier die Frage. Elektroingenieur Lutz plädiert dafür, wichtige Software open source umsonst anzubieten, Fahrzeugbauer Lars will die Nachtschicht abschaffen. Beatrix aus der Gesundheitsbranche hält die Struktur medizinischer Forschung, die auf Konkurrenz statt auf Kooperation ausgelegt ist, für bescheuert, weil damit irre viel Ressourcen den Bach runtergehen. Statt zusammenzuarbeiten, forschen Teams rund um den Globus zu den gleichen Stoffen. Wer den Durchbruch erzielt, macht den Reibach, die anderen können ihre Reagenzgläser in den Müll schmeißen. So geht’s nicht weiter. Oder wie IT-Profi Mateus es ausdrückt: Wissen to the people. Tenor: Wir fordern die Planwirtschaft von unten.
Arbeit muss dem Menschen dienen, nicht den Profiten
Viel Raum wird der Initiative „Demokratische Arbeitszeitrechnung“ gegeben, die für eine umfassende Mitbestimmung am Arbeitsplatz kämpft und den Standpunkt vertritt, Arbeit müsse dem Menschen dienen und nicht der Mensch den Investoreninteressen.
Wie arbeitssoziale Kämpfe in früheren Zeiten abliefen, zeigt der Film auch. Schellhagen stattet alten Kämpen der italienischen und französischen Streikbewegung Besuche ab. Die wissen zu berichten, dass soziale Veränderungen im Sinne progressiver Selbstverwaltung meist nicht ohne erhebliche Widerstände zu erreichen sind. Ordentlich in Revolutionsromantik schwelgen die Protagonisten dann auch, aber echt flott und komprimiert. Ein Film wie eine Antikapitalismus-Präsi. Dauert auch nur 62 Minuten. Vorbildlich: Die Namen der Personen werden IMMER eingeblendet – top!
„Jeder Acker, jede Fabrik“. D 2026. Regie: Johnanna Schellhagen. Kinostart: 15. Oktober 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ouGa_e0WSjQ