Teil I des Leitfadens der AG Antirassistische Praxis

Welchen Antirassismus braucht Die Linke?

Mit einem neuen Leitfaden liefert die AG Antirassistische Praxis der Berliner Linken einen Werkzeugkasten für die alltägliche politische Arbeit und kommende Wahlkämpfe. Es geht darum, die theoretische Debatte auf die Straße, in die Kieze und an die Haustüren zu tragen. Auf "Links bewegt" veröfffentlichen wir diesen Leitfaden nun in mehreren Teilen. 


Keine Klassenpolitik ohne Antirassismus!

Die Krisen unserer Gegenwart sind keine isolierten Ereignisse. Ob Mietenwahnsinn, Sozialabbau oder rassistische Hetze: Sie alle entspringen derselben Logik. Es sind die Symptome eines Wirtschaftssystems, das auf Ausbeutung basiert und darauf angewiesen ist, die Arbeiter*innenklasse zu spalten, um die eigene Macht zu sichern. Für eine sozialistische Partei, die den Anspruch erhebt, eine organisierende Klassenpartei zu sein, darf es daher keine Trennung zwischen Antirassismus und Klassenpolitik geben. Wer das eine gegen das andere ausspielt, hat weder das Wesen des Kapitalismus verstanden noch eine Strategie für echten gesellschaftlichen Fortschritt.

Genau hier setzt die Arbeitsgemeinschaft Antirassistische Praxis (AGAP) der Berliner Linken an. Mit einem praxisorientierten Leitfaden liefert die AGAP einen Werkzeugkasten für die alltägliche politische Arbeit und kommende Wahlkämpfe. Das Ziel ist klar formuliert: Eine antirassistische Politik, die konsequent mit Klassenpolitik verwoben ist. Es geht darum, die theoretische Debatte auf die Straße, in die Kieze und an die Haustüren zu tragen.

Der Leitfaden ist in mehrere Teile gegliedert, die strategische Theorie mit konkreter Praxis verbinden und die wir hier auf "Links bewegt" veröffenltichen. Im ersten Teil, „Welchen Antirassismus braucht die Linkspartei?“ wird aufgezeigt, wie unsere Partei als Stimme einer diversen Klassenbasis agieren muss. Ein liberaler Antirassismus, der sich in Diversitätsmanagement und moralischen Appellen erschöpft, greift zu kurz. Er verändert die materiellen Lebensbedingungen der Betroffenen nicht. Was wir brauchen, ist ein materialistischer, antirassistischer Sozialismus, der begreift, dass Rassismus historisch und funktionell untrennbar mit der kapitalistischen Produktionsweise verbunden ist. Rassismus wird genutzt, um Teile der Arbeiter*innenklasse zu entrechten, Löhne zu drücken und Sündenböcke für das Versagen des Systems zu kreieren.

Der zweite Teil des Leitfadens geht es um unser „Race-Class-Narrative“ und Tipps für die tägliche Praxis . Diese Kommunikationsstrategie, entwickelt aus internationalen Erfahrungen der Arbeiter*innenbewegung, entlarvt die Strategie der Herrschenden. Sie macht transparent, wie Rechte und Neoliberale bewusst rassistische Ressentiments schüren, um von der Umverteilung von unten nach oben abzulenken. Das Race-Class-Narrative sagt offen: Sie hetzen gegen Geflüchtete und Migrantinnen, damit ihr nicht merkt, wie sie eure Krankenhäuser privatisieren und eure Mieten unbezahlbar machen. Gepaart mit den direkt ausgewerteten Erfahrungen aus dem Bundestagswahlkampf bietet dieser Abschnitt konkrete, praxiserprobte Tipps für die Agitation an der Haustür.

Wie diese Theorie in der Praxis brennt, zeigt der dritte Teil. Hier kommen konkrete Akteure des Klassenkampfes zu Wort. Nam Duy Nguyen teilt wertvolle Perspektiven aus seinem vielbeachteten, organisierten Haustür-Wahlkampf in Leipzig, der bewiesen hat, dass man durch Klassenpolitik Vertrauen zurückgewinnen kann. Betül Havva erweitert den Blick um transnationale Erfahrungen des sozialistischen Parteiaufbaus. Der vierte Teil widmet sich der strategischen Kommunikation. In einem Gastbeitrag geht Alina Lyapina der zentralen Frage nach: „Wie kommunizieren wir Klasse?“ Es geht um den Aufbau einer solidarischen Klassenidentität, die Trennlinien überwindet, statt neue zu ziehen. Wie schaffen wir es, dass sich der migrantische Lieferdienstfahrer und die pfälzische Pflegekraft als Teil derselben Bewegung begreifen?

Dieser Leitfaden ist keine dogmatische Anleitung, sondern ein dynamischer Aufschlag. Er ist eine Einladung an alle Kiez-Teams, Öffentlichkeitsarbeiter*innen und Teamer*innen, die Theorie in Workshops und Diskussionen an die regionalen Realitäten anzupassen. Es ist das Werkzeug, das wir brauchen, um die Spaltung zu durchbrechen und eine unteilbare Solidarität von unten aufzubauen.

Interessierte für Workshops, Broschüren oder Austausch können sich direkt an die AGAP wenden: agantira@die-linke-berlin.de
 

Teil I - Welchen Antirassismus braucht die Partei?


Mit der De-facto-Erneuerung der Partei sind unterschiedliche antirassistische Strömungen und theoretische Überzeugungen in der Partei zusammengekommen. Darunter sind Menschen, die sich gegen das europäische Grenzregime engagieren oder die in antifaschistischen Zusammenhängen aktiv sind. Andere wiederum kommen aus migrantischer Selbstorganisierung oder eher identitätspolitisch geprägten Kämpfen rund um Anerkennung, Sichtbarkeit und die Frage nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft. Einzelne von uns waren in viele dieser Kämpfe involviert und haben unterschiedliche Ansätze kennengelernt und mitentwickelt. Gleichzeitig zeigt sich: Innerhalb der Partei ist noch nicht geklärt, welcher Antirassismus künftig handlungsleitend sein soll.

Besonders deutlich wird das, wenn in Kampagnen oder Wahlkämpfen die Frage gestellt wird: Was ist eigentlich unsere zentrale antirassistische Forderung? Die Antworten darauf fallen oft unterschiedlich aus, je nach politischer Haltung, Erfahrung und Schwerpunkt der gefragten Person. Die Linke hat den Anspruch, eine organisierende Klassenpartei zu werden, und sie ist auf einem guten Weg dorthin. Aus unserer Sicht bedeutet das aber auch: Antirassismus darf nicht als ein weiteres fachpolitisches Thema neben anderen behandelt werden. Vielmehr muss Antirassismus als eine Perspektive verstanden werden, die alle politischen Bereiche durchzieht und prägt. Wir brauchen ein antirassistisches Klassenbewusstsein als verbindende Grundlage unserer Politik. Wenn wir Rassismus politisch angreifen wollen, dann müssen wir gemeinsam Gegenmacht aufbauen. Das bedeutet zum einen, dass wir mehr werden und über die eigene Blase hinausreichen müssen. Und zum anderen, dass wir lernen, uns gemeinsam zu organisieren, um zu verändern und zu gewinnen. 

Alles Klasse oder was?

Wenn wir als Linke gewinnen wollen, dann müssen wir uns als Klasse organisieren. Deshalb hat sich Die Linke den Anspruch gesetzt, eine organisierende Klassenpartei zu werden. Doch Menschen als Klasse zusammenzuführen, ist gar nicht so einfach. Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Unsere Gesellschaft ist grundlegend gespalten. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um sich ihr Leben leisten zu können. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die Kapital besitzen und einsetzen (z. B. Konzerne, Immobilien), um Profit zu machen. Doch aus dieser objektiven Spaltung entsteht noch kein gemeinsames Bewusstsein und kein gemeinsames Handeln. 92 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind abhängig beschäftigte Lohnarbeiter*innen – und trotzdem handeln sie nicht automatisch gemeinsam. Die lohnarbeitende Bevölkerung ist groß und vielfältig: Sie vereint unterschiedliche Berufe, Lebenslagen, Gesundheitszustände, Herkünfte, Sprachen und Aufenthaltsstatus. In der Realität verläuft die Grenze deshalb oft nicht zwischen oben und unten, sondern quer durch die Klasse.

Diese Spaltung wird auch konkret organisiert: durch Leiharbeit, befristete Verträge, unterschiedliche Löhne für gleiche Arbeit oder unsicheren Aufenthaltsstatus. All das sorgt dafür, dass wir uns nicht als Gleiche wahrnehmen, sondern als Konkurrenz. Die entscheidende Frage ist: Warum wenden sich große Teile der arbeitenden Bevölkerung nicht gemeinsam gegen die Verhältnisse und sagen: „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Viele Menschen erleben ihre soziale Lage nicht abstrakt als „Klasse“, sondern durch konkrete Erfahrungen. Für viele spielt Rassismus dabei eine zentrale Rolle. Er prägt, wie sie Überausbeutung und Ungleichheit wahrnehmen und einordnen. Rassismus ist für viele die Art und Weise, wie Klassenverhältnisse erlebt und verarbeitet werden.

Das zeigt sich im Alltag ganz konkret: bei (staatlichen) Institutionen, etwa bei Fällen rassistischer Polizeigewalt oder Abschiebungen, in Betrieben mit klaren Hierarchien zwischen „einheimischen“ und migrantischen Beschäftigten, bei Vermieter*innen, die Menschen aufgrund ihres Namens oder ihrer Herkunft benachteiligen, oder bei Behörden, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft „Sozialbetrug“ unterstellen und ihnen benötigte Unterstützung verweigern. Solche Erfahrungen prägen, wie Menschen ihre soziale Lage erleben. Auch politisch wird diese Spaltung befeuert. Es ist kein Zufall, wenn immer wieder von „faulen Bürgergeldempfängern“, „kriminellen Ausländern“ oder „gewalttätigen Geflüchteten“ die Rede ist. Solche Erzählungen lenken von den eigentlichen Ursachen sozialer Probleme ab. Denn das Problem ist nicht, dass „die da unten“ zu viel „geschenkt kriegen” – sondern dass einige Wenige von der Arbeit der Mehrheit profitieren.

Rassismus als Instrument der Spaltung

Rassismus hat eine zentrale gesellschaftliche Wirkung: Er verschiebt einen Konflikt. Statt dass sich der Widerspruch zwischen oben und unten zuspitzt, wird er nach innen verlagert. Aus einem Konflikt zwischen den Klassen wird ein Konflikt innerhalb der Klasse. Das bedeutet: Menschen mit gemeinsamen Interessen geraten gegeneinander in Konkurrenz. Sie sehen die Ursache ihrer Probleme nicht mehr in den gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern bei anderen Lohnabhängigen, etwa entlang von Herkunft oder Hautfarbe. Dabei ist wichtig: Die arbeitende Klasse besteht nicht nur aus passiven Opfern, die einfach „zu Rassist*innen gemacht werden“. Menschen handeln, denken und entscheiden in ihrem Alltag und können dabei auch selbst rassistische Deutungen übernehmen und reproduzieren. Rassismus knüpft oft an reale Unsicherheiten, Konkurrenzerfahrungen und Abstiegsängste an und bietet scheinbar einfache Erklärungen. So entstehen Formen von exklusiver Solidarität, etwa wenn sich Teile der Arbeiter*innen eines Betriebes gegen migrantische Kolleg*innen stellen. 

Aber: Wenn wir Rassismus bekämpfen wollen, reicht es nicht, ihn als individuelles Fehlverhalten oder persönliches Vorurteil zu betrachten. Rassismus ist Teil gesellschaftlicher Verhältnisse. Er hat eine Funktion in der Aufrechterhaltung von Ungleichheit und Spaltung. Deshalb müssen wir ihn politisch angreifen. Durch Organisierung, durch gemeinsame Kämpfe und durch den Aufbau von Gegenmacht. Gleichzeitig wirkt Rassismus auch im Alltag: in bewussten und unbewussten Denkweisen, in unhinterfragten Gewohnheiten und in beabsichtigten wie unbeabsichtigten alltäglichen Handlungen. Auch hier müssen wir ansetzen, Rassismus sichtbar machen und verändern. Antirassismus heißt deshalb beides: die gesellschaftlichen Strukturen angreifen und die alltäglichen Formen von Rassismus gemeinsam überwinden.

Antirassistisches Klassenbewusstsein

Unsere Antwort auf Spaltung ist Solidarität. Solidarität ist nie neutral. Sie bedeutet immer auch eine Grenzziehung. Die entscheidende Frage ist: Wo verläuft diese Grenze? Verläuft sie horizontal, zwischen uns? Oder vertikal, zwischen uns und denen, die von unserer Arbeit profitieren? Wir brauchen ein antirassistisches Klassenbewusstsein als verbindende Grundlage unserer Politik. Wenn wir Rassismus politisch angreifen wollen, dann müssen wir gemeinsam Gegenmacht aufbauen. Das bedeutet zum einen, dass wir mehr werden und über die eigene Blase hinausreichen müssen. Und zum anderen, dass wir lernen, uns gemeinsam zu organisieren, um zu verändern und zu gewinnen. Wenn Klassenbewusstsein jedoch nicht automatisch entsteht, aber Voraussetzung für eine erfolgreiche linke Kraft ist, dann müssen wir uns die Frage stellen: Wo und wie können wir Menschen als Klasse zusammenführen?

Klassenbewusstsein entsteht im Prozess

Antirassistische Klassenbildung ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Sie entsteht dort, wo Menschen anfangen, gemeinsam zu handeln: wenn sie sich austauschen, Konflikte gemeinsam aushandeln und sich zusammenschließen. Ohne gemeinsame Praxis bleibt Klasse eine abstrakte Kategorie. Erst im Handeln wird sie zur politischen Kraft. Wenn wir antirassistisches Klassenbewusstsein organisieren wollen, müssen wir unseren politischen Kompass an den Lebensrealitäten der arbeitenden Klasse ausrichten. Ausgangspunkte dürfen dann nicht in erster Linie akademische Debatten, Kulturveranstaltungen oder Szene Auseinandersetzungen sein, sondern die Orte, an denen Menschen tagtäglich mit Ausbeutung, Unsicherheit und Rassismus konfrontiert sind – und sich antirassistisch-klassenbewusst dagegen wehren können. 

In der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist ein zentraler Ort für gemeinsame Erfahrungen. Auch wenn oft von „flachen Hierarchien“ die Rede ist: Die Unterschiede in Macht und Bezahlung bleiben real. Hier wird für viele konkret erfahrbar, dass die entscheidende Trennung nicht zwischen Herkunftsgruppen verläuft, sondern zwischen Kapital und Arbeit. Gleichzeitig ist die Arbeitswelt ein Ort, an dem Spaltung bewusst organisiert wird, etwa entlang von unterschiedlichen beruflichen Statusgruppen, Verträgen, Löhnen oder Aufenthaltsstatus. Ein wichtiger Ansatz dagegen ist ein betrieblicher Universalismus: Rechte und Vertretungen, die für alle gelten, unabhängig von Herkunft, Pass oder Beschäftigungsform. Wenn Kolleg*innen gemeinsam organisiert sind und füreinander einstehen, wird im Alltag klar, wo die Grenze verläuft: nicht zwischen „Deutschen“ und „Migrant*innen“, sondern zwischen oben und unten. Das heißt: Alle Kämpfe um Tarifbindung, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Rechte für Beschäftigte oder erfolgreiche Tarifrunden sind Momente, in denen Kolleg*innen gemeinsam handeln. In solchen Kämpfen kann Solidarität entstehen und damit auch ein antirassistisches Klassenbewusstsein wachsen.

In der Schule

Auch Schulen sind wichtige Orte, an denen Spaltung sichtbar wird und überwunden werden kann. Hier treffen Kinder, Jugendliche und Eltern mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Ungleichheiten zeigen sich früh, etwa durch unterschiedliche Ressourcen, Sprachbarrieren oder institutionelle Benachteiligung. Gerade wehren sich zahlreiche junge Menschen gegen die Militarisierung der Gesellschaft. Schüler*innen organisieren sich gemeinsam gegen Wehrpflicht und Aufrüstung und treten für Frieden ein. Auch hier entstehen gemeinsame Erfahrungen und politische Auseinandersetzungen.

Beim Wohnen und im Alltag

Auch jenseits von Arbeit und Schule gibt es Räume, in denen wir uns begegnen: in Nachbarschaften, Kitas, Familienzentren oder im betreuten Wohnen. Der Widerspruch zwischen Mieter*innen und Vermietern ist eine zentrale Auseinandersetzung im Kapitalismus. Viele Menschen müssen einen großen Teil ihres Einkommens dafür aufwenden, ihre Miete zu bezahlen und damit die Profite von Immobilienkonzernen zu sichern. Gleichzeitig ist der Organisationsgrad unter Mieter*innen oft gering. Genau hier setzen Mieter*innenbewegungen an: Sie unterstützen dabei, sich solidarisch und demokratisch zu organisieren und eine Gegenmacht aufzubauen. Auch in anderen Bereichen des Alltags gilt: Gemeinsame Probleme können zum Ausgangspunkt gemeinsamer Organisierung werden – wenn wir sie politisch verbinden.

In der Partei

Wenn wir Hoffnung nicht nur versprechen, sondern organisieren wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Es kann nicht sein, dass Parteistrukturen in migrantisch geprägten Vierteln so aussehen, wie sich Rechte die Gesellschaft vorstellen. Wenn wir glaubwürdig sein wollen, müssen wir die Realität unserer Klasse auch in unseren eigenen Strukturen abbilden. Als Klassenpartei wollen wir eine Kultur schaffen, die alle Menschen ermutigt, sich einzubringen. Das bedeutet, migrantische Kolleg*innen nicht nur „mitzudenken“, sondern als politische Subjekte ernst zu nehmen. Das heißt auch: Widersprüche aushalten, Konflikte führen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Unsere Strukturen müssen lebendiger, streitbarer und demokratischer werden in Ortsverbänden, Gremien und auf Parteitagen. Wir müssen daran arbeiten, die Realität der Gesellschaft und Arbeitswelt auch in unseren Organisationen und Parlamenten sichtbar zu machen. Wir wissen aber auch: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Organisieren statt vertreten

Unser Ziel ist nicht bloße Hilfe oder Repräsentation, sondern Selbstermächtigung. Wir wollen Menschen nicht nur vertreten, sondern gemeinsam mit ihnen für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse kämpfen. Denn viele der wichtigsten antirassistischen Kämpfe wurden und werden von ganz gewöhnlichen Menschen getragen: von koreanischen Krankenpflegerinnen, die für Aufenthaltsrechte und bessere Löhne streikten, von kurdischen und türkischen Jugendlichen, die antifaschistische Selbstverteidigung organisierten, von Schwarzen Lesben, die in ihren Wohnzimmern politische Zines druckten, von ehemaligen Vertragsarbeiter*innen, die für ein Bleiberecht kämpften oder von Familien, die sich gegen rassistische Diskriminierung ihrer Kinder in Schulen einsetzen.

Viele antirassistischen Akteure bestehen heute vor allem aus gut vernetzten Intellektuellen, Aktivist*innen oder Expert*innen. Sie können Debatten beeinflussen, Sichtbarkeit schaffen und Aufmerksamkeit erzeugen. Doch ihre gesellschaftliche Durchsetzungskraft bleibt bisher begrenzt, weil ihre politische Praxis nicht darauf ausgerichtet ist, sich dauerhaft in Stadtteilen, Betrieben oder Schulen zu verankern und dort Menschen zu organisieren. Eine antirassistische linke Klassenpartei kann genau hier wichtige Fortschritte erkämpfen. Allerdings nur, wenn wir uns mit einer antirassistischen Praxis selbstbewusst ins Handgemenge werfen. Das richtige Argument reicht nicht, wir brauchen eine strategische, antirassistische Kommunikation. 

Die AG Antirassistische Praxis (AGAP) ist eine Arbeitsgemeinschaft des Landesvorstands Berlin und besteht aus einem Koordinierungs- sowie einem Aktivenkreis. Gemeinsam entwickeln wir politische Bildungsangebote, Materialien und Strategien für eine antirassistische Praxis innerhalb und außerhalb der Partei.

Kontakt: agantira@die-linke-berlin.de