Konzern-Bosse zur Rede gestellt
Damon Gameau besucht für seinen neuen Film „Future Council“ mit engagierten Jugendlichen die Konzernzentralen dieser Welt. Dabei verwickeln sich die Konzern-Manager selbst in Widersprüche.
Regisseur Damon Gameau veranstaltet für seinen überaus flotten Film „Future Council“ ein Casting: Der Australier will engagierte Jugendliche zusammenbringen und mit acht von ihnen eine Welttournee absolvieren. Aus über tausend Einsendungen wählt er seine Reisegesellschaft aus. Die jungen Leute verfügen über „Superkräfte“ des Umweltbewusstseins: Joseph ist Recyclingmeister, CC reinigt Strände, Karla ist Spezialistin für Schäden durch Fast Fashion, Hira spricht mit Vögeln, Ruby ist irre kreativ, Skye Gründerin einer Kampagne gegen Plastikmüll, Joaquin sagt, was er denkt, und Aurvi hat ein – sic – Superhirn. Unterm Strich: Die Jugendlichen haben es voll drauf und sind genervt von Umweltverschmutzung, kapitalistischer Zerstörung und dummem Gequatsche. Zur Illustration sehen wir Bilder von plastikverseuchten Stränden und weiteren Müllhalden, wo keine sein sollten.
Gameau hat – nicht gerade stilecht – einen großen gelben, spritfressenden Schulbus gemietet und steuert mit seiner Superheld*innen-Bande nun Top-Firmenzentralen an, vom Energiekonzern bis zum Lebensmittelproduzenten. Ziel: die CEOs und andere Bosse zur Rede zu stellen, warum sie mit ihren Produkten die Welt versauen.
Nestlé, Decathlon, ING: Sie wissen, dass sie das Falsche tun
Sie bilden einen „Future Council“, einen „Rat der Zukunft“, diskutieren im Vorfeld wichtigste Fragen und besuchen anschließend die Vorstandsetagen. Die jungen Experten nehmen kein Blatt vor den Mund und konfrontieren CEOs und Spitzenmanager direkt mit der Frage, wie sie die Welt hinterlassen wollen. Bei Robert Cameron, Global Head Public Affairs beim Lebensmittel-Multi Nestlé, kommen sie da genau richtig. Der hemdsärmelige Familienvater Marke „Ich will meinen Kindern auch keine zerstörte Welt hinterlassen“ hat jede Menge Verständnis für die klugen Einlassungen des Zukunftsrates. Tja, Verpackungen müssten leider sein, sonst geht ja das Essen beim Transport kaputt, sagt er. Bedauerlicherweise seien die aus vielen Komponenten und damit, megasorry, nicht recyclebar. Aber wir arbeiten dran. CC weiß am besten, wovon er redet: Die Areale, die er mit Schulkameraden von Nestlés Hinterlassenschaften säubert, sind auch mit einigen der Milliarden von Nestlé produzierten Kaffeekapseln vermüllt, die müssen schließlich irgendwohin. Um die Auswirkungen anschaulich rüberzubringen, verwendet Gameau Drohnenaufnahmen und KI-generierte Sequenzen.
„Wir sind zwar Kinder, wollen aber nicht so behandelt werden“
Steven van Rijswijk hat es da leichter mit der Kritikerschar. Der CEO der ING-Bankengruppe investiert gern und viel in die grüne Wirtschaft. Mit Kapitalismus gegen Kapitalismus, das kommt an. Geld in die Verarbeitung fossiler Stoffe schraube man zurück, aber man dürfe auch nicht von der Klippe springen. Die Bank hat 38 Millionen Kunden, da gelte es, behutsam vorzugehen. "Gebt doch den ganzen Kohlesektor auf!", rufen die jungen Umweltschützer. „Okay“, sagt der Banker, das geht jetzt nicht auf die Schnelle. Und setzt hinzu: „Ich habe Okay gesagt, nicht Yes.“
Dann noch einen Abstecher zum großen Sportartikler Decathlon aus Frankreich. Falls mal wieder eine aufmüpfige Jugendgruppe vor dem Computer sitzt: Für den Videocall in solchen Fällen beschäftigt der Konzern Anna Turrell als Sustainability Officer, als Nachhaltigkeitsbeauftragte. Mit ihren Forderungen nach sauberer Sportkleidung rennen die Super-Kids bei ihr auf jeden Fall offene Türen ein. Turrell feiert die tollen Ideen, die nimmt sie gern mal alle mit ins nächste Meeting.
„Wir sind zwar Kinder, wollen aber nicht so behandelt werden“, lautet die Devise des Films – spätestens, nachdem Gameau alle Casting-Teilnehmer per Videokonferenz zusammengeschaltet hat: eine richtig große Konferenz von Leuten aus aller Welt, die super Ideen haben, aber wenig Mittel, sie umzusetzen und trotzdem für ihre Ziele ackern. Ihre Forderung: die Perspektiven junger Leute in die Wirtschaft einfließen zu lassen.
Aus dem Film in die Wirklichkeit: Jetzt wird der Organisationsgrad erhöht, dann werden die Konzernspitzen weiter konfrontiert. Nach der letzten Generation übernimmt nun die Wirtschaft-for-Future Generation mit Zugang zur Chefetage. Die ersten Unternehmen setzen schon Jugendgremien ein.
„Future Council – Komm an Bord“. AUS 2026. Regie: Damon Gameau. Kinostart passend zum Weltumwelttag am 5. Juni 2026. Trailer: https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/future-council-komm-an-bord-2024#lg=1&slide=0