Bewaffnet in den Gottesdienst
Der Dokumentarfilm „The Gospel of Revolution“ berichtet von der eigentümlichen religiösen Bindung der Widerstandskämpfe in Lateinamerika. Herausgekommen ist eine sehenswerte Geschichte der Befreiungstheologie.
Bewaffnet zum Gottesdienst – in den Widerstandskämpfen gegen brutale Militärregimes in lateinamerikanischen Ländern in den 1980er Jahren kein Widerspruch. Unter dem Stichwort „Befreiungstheologie“ bezogen Christen eindeutig Stellung gegen Gewalt und Ausbeutung von oben. Ihre Protagonisten verstanden sich als Teil und gläubige Vertreter der verarmten Bevölkerung und legten sich dafür sogar mit dem Papst an. Insbesondere der stark antikommunistisch geprägte Papst Johannes Paul II., bürgerlich Karol Wojtyła und wiederum wenig angetan von der kommunistischen Regierung seines Herkunftslandes Polen, wetterte ordentlich gegen seine Mitgläubigen in Brasilien, Mexiko, Nicaragua und El Salvador, die auch schon mal Bücher von Karl Marx lasen und Guerilleros die Messe lesen ließen. Wenn sie nicht gleich vorneweg gingen, wie El Salvadors Erzbischof Óscar Romero – der sein Engagement mit dem Leben bezahlte: Er wurde von Soldaten ermordet. Warum man erst aufs Paradies warten sollte, wenn man auch jetzt schon den Diktatoren das Leben schwer machen konnte, leuchtete den verarmten Menschen südlich den USA wenig ein.
Der Kampf der armen Landbevölkerung gegen die Eliten
Regisseur François-Xavier Drouet hat nun einen eindrucksvollen, sehr sehenswerten Film über diese Bewegung gedreht. Im Zentrum der Erzählung steht der belgische Pastor Roger Pouseele, der heute noch gegen das Regime in Nicaragua aktiv ist und viele Erfahrungen in den genannten Ländern gesammelt hat, insbesondere in El Salvador. Im Zentrum lokalisiert er immer den Kampf der armen Landbevölkerung gegen die Eliten. Und auch wenn seine Vorbilder eher die prominenten Vorkämpfer des gewaltlosen Widerstands Martin Luther King und Mahatma Gandhi sind, berichtet er auch kundig vom bewaffneten Kampf angesichts von Repression und Folter. Drouet besucht Zeitzeugen und Schauplätze in den genannten Ländern, stellt wichtige Theoretiker wie Leonardo Boff vor, arbeitet mit viel zeitgenössischem Material und fragt, was heute aus den Befreiungsbewegungen wurde. Ihm gelingt eine enorm interessante und gut geschnittene Historienerzählung bis in die Gegenwart.
„The Gospel of Revolution“. F/BE 2024. R: François-Xavier Drouet. Kinostart: 2. April 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=kdvq1GY92G0