Europas Grenzen in der Sahara
Der Dokumentarfilm „On the Border“ wirft einen sehr gut strukturierten Blick auf die politischen Verhältnisse und die Migration in Niger. Regisseur Gerald Igor Hauzenberger zeigt, wie EU-Politik das Leben der Menschen in Afrika beeinflusst.
Niger ist seit Jahrhunderten ein wichtiges Land für den Transfer von Waren und die Durchreise von Menschen in Richtung Sahara und Nordafrika. Migration stellt einen wichtigen Wirtschaftszweig für die Bevölkerung dar. Dass diese Routen unterbrochen wurden, daran hatte Europa in der jüngsten Vergangenheit großes Interesse. Agadez, die Stadt im Zentrum Nigers, war so etwas wie ein EU-Außenposten geworden. Mit milliardenschweren Programmen soll hier die Migration in den reichen Norden unterbunden werden – quasi ein exterritorialer Grenzposten.
EU-Gesetze verhindern Migration mitten in Afrika
Der Regisseur Gerald Igor Hauzenberger hat vor Ort einen Dokumentarfilm gedreht, in dem er Politiker in Agadez ebenso zu Wort kommen lässt wie EU-Verantwortliche. Nicht ganz ironiefrei und treffend trägt er den Titel „On the Border. Europas Grenzen in der Sahara“. Seit die EU in besagtem „Tor in die Wüste“ ihren Schwerpunkt auf Migrationsverhinderung gelegt hat, versiegte für viele, insbesondere junge Menschen der Lebensunterhalt. Viele waren auf den Transportrouten tätig gewesen, in der Versorgung und Gastronomie. 2015/2016 wurde auf Drängen der EU ein Gesetz erlassen, das den Transport von Migranten ohne Arbeitsvisum unter Strafe stellte. Wer aus Subsahara-Afrika stammte, hatte nun an dieser neuen Grenze nördlich der Stadt plötzlich einen illegalen Status, wer früher Reisen organisierte, war nun auf einmal ein krimineller Schlepper. Schnell machte sich Perspektivlosigkeit breit, denn versprochene Ausgleichszahlungen fielen um einiges karger aus als gedacht.
Drehen im Hochrisikogebiet
Menschen wie Rhissa Feltou, der von 2011 bis 2019 Bürgermeister war, berichten über das Geschehen vor Ort, die politischen Absichten und Folgen. Fellou kommt ausführlich zu Wort. Das Wirken der EU – die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen persönlich „zum Händeschütteln“ (Hauzenberger) – und die Folgen kann er aus erster Hand analysieren. Die Journalistin Tilla Amadou ordnet die Ereignisse kulturpolitisch ein. Ahmed Dizzi ist einer der letzten Schmuckhändler in Agadez, er erzählt vom wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, in der seit den politischen Veränderungen auch der Tourismus versiegte. Heute rühmt sich das Militärregime Nigers, die EU rausgeschmissen zu haben, gleichzeitig haben Spannungen zwischen Milizen und Militär zugenommen.
Das Filmteam bewegte sich auf sehr unsicherem Terrain, die Region gilt als „high risk area“. Gewalt, Entführungen und Mord sind hier keine Seltenheit. Außerhalb konnten die Dreharbeiten nur mit Militärbewachung stattfinden, in der Stadt selbst halfen Feltou und städtische Stellen. Es ist ein sehenswerter Film über die Menschen an den Migrationsrouten geworden, über Menschenrechte und journalistisches Arbeiten und den Einfluss von Großmächten in afrikanischen Ländern.
„On the Border“. A/CH/D 2024. Regie: Gerald Igor Hauzenberger. Kinostart: 19. März 2026. Kinotour-Termine mit dem Filmteam: www.cineglobal.de/ontheborder/