Was passiert auf dem "Unfollow Bundeswehr Festival"?
- Interview mit Desiree Becker
Im Interview mit "Links bewegt" erklärt unsere Bundestagsabgeordnete Desiree Becker, was Besucher*innen auf dem "Unfollow Bundeswehr Festival" erwartet und warum es so extrem wichtig ist, der Militarisierung unserer Gesellschaft entgegenzutreten.
Desiree, die Bundestagsfraktion veranstaltet am 13.6. ein Anti-Wehrpflicht-Festival im Berliner ZK/U (https://www.zku-berlin.org/de/). Doch ist das Thema nicht zu ernst für ein Festival? Schließlich geht es hier um Zwangsdienste, Bevormundung und im Zweifelsfall auch um den Tod im Krieg …
Natürlich ist das ein sehr ernstes Thema, über das unbedingt gesprochen und informiert werden muss! Viel problematischer ist doch, dass die Bundeswehr den Dienst an der Waffe Kindern und Jugendlichen als Abenteuer verkauft. Sei es beim Tag der Bundeswehr, auf Stadtfesten, Festivals oder immer häufiger über Freizeit- und Ferienangebote speziell für Minderjährige und Schüler*innen. Die Aufklärung darüber, dass das Militär in letzter Konsequenz für Krieg und Tod steht, kommt dabei nicht vor. Das müssen wir übernehmen, deshalb das Festival, wo wir ernsthafte Debatten mit Musik und Spaß verknüpfen.
Das klingt spannend. Wer ist euer Zielpublikum? Wen wollt ihr mit dem Festival erreichen?
Es ist total wichtig, junge Menschen sehr früh anzusprechen, damit sie sich nicht blenden lassen von den Angeboten wie Führerschein und schnelles Geld bei der Bundeswehr. Wir wollen mit dem Festival junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren erreichen, denn die sind in den nächsten Jahren von der Wiedereinführung der Wehrpflicht und vom neuen Wehrdienstmodernisierungsgesetz betroffen. Aber wir wollen auch ihre Eltern ansprechen und informieren. Wir wollen Räume schaffen für junge Leute, um sich zu treffen, sich auszutauschen und um sich zu informieren. Die Entscheidung für die Bundeswehr ist eine mit gravierenden Konsequenzen – weit über ein paar Monate Wehrdienst hinaus, vielleicht für ein ganzes Leben. Wehrdienst heißt später dann auch Reserve. Und wenn du einmal gedient hast, hat das auch Auswirkungen auf deinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung und das ganze Verfahren. Das wird nämlich komplizierter und dauert länger. Genau darüber möchten wir aufklären.
- Die Linke Bundestagsfraktion
- Die Linke Bundestagsfraktion
Gibt es auch praktische Tipps vor Ort? Können sich Interessierte dort beraten lassen?
Ja, auf jeden Fall. Wir zeigen erste Schritte auf, was es bedeutet und was man braucht, um einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Es gibt Informationen darüber, was der Staat darf und was nicht – auch in Bezug auf die Proteste gegen Militarisierung und Wehrpflicht. Hier geht der Staat im Moment sehr stark gegen die Proteste der Jugendlichen vor. Wir geben Infos zum Thema Schulstreiks und Bundeswehr an Schulen und dazu, welche Rolle die Gamingszene bei der Kriegspropaganda spielt. Es gibt aber auch Essen, Trinken, einen Graffiti-Workshop, eine Podiumsdiskussion und Musik: HeXer, Yung Pepp und Sarah4K – alles kostenlos, denn die Jugend leidet ja auch unter den anhaltend steigenden Preisen. Bringt gerne auch euren Fragebogen mit, wir haben einen Schredder.
Die Linke möchte eine bundesweite Infrastruktur aufbauen, um Kriegsdienstverweigerung zu erleichtern. Gibt es da schon Angebote in den Bundesländern? Wo können Interessierte sich informieren?
Wir bauen gerade bundesweite Strukturen zur KDV-Beratung auf. Momentan gibt es schon Infos auf der Website https://www.faqwehrpflicht.de/. Außerdem können Interessierte an die BAG "Die Linke hilft" (https://www.die-linke.de/partei/die-linke-hilft/) schreiben und bekommen dann Informationen und Unterstützung. Oder auf Instagram mit dem Kommentar ‚verweigern‘, wenn ein Gespräch noch eine zu große Hürde ist
Und Genoss*innen, die sich zu Berater:innen in Sachen Kriegsdienstverweigerung schulen lassen wollen. Gibt es für die auch Angebote?
Da sind wir dran. Die Landesverbände planen derzeit Schulungen, um Genoss*innen auszubilden, damit sie Menschen umfänglich zu ihrer Kriegsdienstverweigerung beraten können. Es gibt auch schon einige ausgebildete Berater*innen, die auch auf dem Festival sein werden!
Die Bundeswehr schlüpft in eine neue Rolle, dringt in den öffentlichen Raum vor. Immer mehr Infostände in den Städten, Soldat*innen an den Schulen und aggressive Werbung in den sozialen Medien. Wie können wir dagegenhalten? Müssten wir nicht auch an die Schulen, um die Propaganda der Bundeswehr zu entlarven?
Wir müssen klare Kante zeigen gegen die fortschreitende Militarisierung der gesamten Gesellschaft: im öffentlichen Raum, in den Schulen, im Gesundheitssektor und in der Industrie. Angebote der Bundeswehr sollten boykottiert werden und natürlich müssen wir all jene unterstützen, die sich dagegenstellen! Z. B. den Streik gegen die Wehrpflicht, aber auch einzelne Aktionen gegen Auftritte der Bundeswehr.
Wir als Linke müssen den Protest gegen die massive Aufrüstung und die drohende Wehrpflicht unterstützen. Wir müssen aufzeigen, was das konkret für die Menschen im Land bedeutet, nämlich marode Schulen, einstürzende Brücken, massive Kürzungen am Sozialstaat und ein massiv steigendes Risiko für Kriege, wenn alle Länder bis unter die Zähne aufgerüstet sind und alles an Steuergeldern in die Aufrüstung geht. Außerdem macht die Fraktion Die Linke von ihrem Fragerecht im Parlament Gebrauch, damit wir auch wissen, wo und wann die Bundeswehr auftritt.
Passt unser Pazifismus überhaupt noch in diese Zeit, wo aggressive Staaten das Völkerrecht brechen und andere Länder überfallen?
Das ist bitter nötig. Pazifismus in diesen Zeiten passt immer und überall, wenn wir ernsthaft und überzeugend für eine friedliche Welt kämpfen wollen! Die gibt es überhaupt nur OHNE WAFFEN und wenn alle abrüsten!