Clara-Zetkin-Preis 2026: Ein Fest für den Feminismus und die internationale Solidarität
- Pilar Caballero Alvarez
Am vergangenen Wochenende war Hamburg der Ort, an dem Feminismus in all seinen Facetten gefeiert wurde: Die 16. Verleihung des Clara-Zetkin-Preises fand in diesem Jahr erstmals im Hamburger Mojo Club statt. Ein perfekter Rahmen für ein Festival der Solidarität und der feministischen Kämpfe – und das nicht nur lokal, sondern weltweit.
Die Moderatorin des Abends, Hila Latifi, Frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft, führte durch das Programm. Die Reden der Bundestagsabgeordneten Cansu Özdemir und Kathrin Gebel sowie von Genossinnen und Freundinnen der LAG Feminismus Hamburg verdeutlichten, dass Feminismus ins Zentrum des politischen Denkens gehört – internationalistisch, migrantisch, queer und als Analyseperspektive auf die aktuellen politischen Konflikte. Sei es in Rojava, im Iran, in Palästina oder in Deutschland.
Besondere Akzente setzte die Performance von Finna, einer Hamburger Musikerin und Rapperin, deren Texte nicht nur für politische Aufmerksamkeit sorgten, sondern auch für pure Energie im Raum. Die anschließende „Louder than Patriarchy“-Party mit den DJs yung_womb und Maik Brückner sorgte für den perfekten Ausklang – ein Event, das nicht nur den Kopf, sondern auch Herzen und Körper ergriff. Der Feminismus konnte hier wirklich gehört, getanzt und gefeiert werden!
Das waren die Nominierten:
Der Clara-Zetkin-Preis ist nicht nur ein Preis, sondern ein Ausdruck der Wertschätzung für all jene, die sich mit Herz und Seele für eine gerechtere, gleichberechtigtere Welt einsetzen. Aus mehr als 70 Einreichungen wurden fünf Finalist*innen ausgewählt, die durch ihre Arbeit in den unterschiedlichsten Bereichen des Feminismus glänzen:
EcoMujer e.V. aus Düsseldorf ist ein bundesweiter feministischer Verein, der sich seit 1996 für den Austausch zwischen Frauen aus Cuba und Lateinamerika starkmacht. Ihr Motto lautet: gemeinsam Alternativen zu kapitalistischen und patriarchalen Strukturen entwickeln – ein internationales und lokales Netzwerk, das voneinander lernt.
Franzi Böhm ist eine wahre Kämpfer*in für queeres Leben in Ostsachsen. Seit über zehn Jahren setzt sie sich dafür ein, dass queeres Leben auch in ländlichen Regionen sichtbar und sicher wird. Ein Vorbild in Sachen Mut und Überzeugung.
RomaniPhen e.V. steht für die feministische Mädchenarbeit innerhalb der Roma-Community. Mit Fokus auf Bildungsarbeit, Wissensproduktion und die Vernetzung von Aktivist*innen setzt sich der Verein für die Wertschätzung und Verbreitung von Romani-Wissen ein.
ROSA e.V. bietet seit 2021 geschützte Räume für geflüchtete Frauen und FLINTA* in Griechenland. Ihr mobiler Truck fährt abgelegene Orte und Geflüchtetenunterkünfte an, um Frauen und queeren Menschen einen sicheren Raum zu bieten – mit medizinischer Beratung, Workshops und Kinderbetreuung.
Das Women's Centre for Legal Aid and Counselling (WCLAC) setzt sich seit 1991 für die Rechte von Frauen in Palästina ein. Die Organisation kämpft gegen geschlechtsspezifische Gewalt und die Auswirkungen der israelischen Besatzung auf Frauen und Mädchen.
Die Preisträger*innen kämpfen für eine gerechtere Zukunft in Palästina
Der Clara-Zetkin-Preis 2026 ging schließlich an das Women's Centre for Legal Aid and Counselling. Mit einer bewegenden Videobotschaft bedankten sich die Genoss*innen des Projekts aus Palästina für die Ehrung und das Preisgeld von 2.500 Euro. Ihre Arbeit für die Rechte von Frauen und Mädchen in einem der gefährlichsten und politisch herausforderndsten Gebiete der Welt ist ein leuchtendes Beispiel für feministische Solidarität und Widerstand.
Ein Blick auf den feministischen Alltag. Der Clara-Zetkin-Preis hat an diesem Wochenende mehr als nur herausragende Einzelpersonen und Organisationen geehrt – er hat uns auch gezeigt, wie feministische Arbeit in der Praxis aussieht: Sie ist lokal und international, sie ist auf der Straße, im Klassenzimmer und bei politischen Auseinandersetzungen. Sie ist auch im Partykeller, wo Feminist*innen zusammenkommen, um gemeinsam zu tanzen, zu feiern und zu kämpfen – denn wer für Gerechtigkeit kämpft, braucht auch Momente der Freude.
Und so endet das Wochenende nicht, ohne sich auf das nächste Wochenende vorzubereiten: den Internationalen Feministischen Kampftag am 8. März. In Hamburg, wie überall auf der Welt, heißt es dann wieder: Jin Jiyan Azadi – Her mit dem schönen Leben, und nieder mit dem Patriarchat! Feminismus geht uns alle an – und der Clara-Zetkin-Preis setztb ein starkes Zeichen dafür.
Unsere Autor*in Pilar Caballero Alvarez ist Koordinator*in für Feministische Arbeit in der Bundesgeschäftsstelle der Partei Die Linke