Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz: Enttäuscht und zuversichtlich
- Fabian Lambeck
- Julien Then/Die Linke
- Die Linke
Es war mal wieder denkbar knapp: Trotz deutlicher Zugewinne verfehlte Die Linke mit 4,4 Prozent den Einzug in den Landtag von Rheinland-Pfalz. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt erstaunliche Trends.
„Natürlich sind wir frustriert“, betont Nina Bömelburg, Kandidatin der Linken aus Rheinland-Pfalz, am Montag auf einer Pressekonferenz der Partei in Berlin. „Vor allem die Genossinnen vor Ort, die einen unglaublich starken Wahlkampf gemacht haben. Wir haben waren an vielen Haustüren, haben gute Gespräche geführt und den Menschen Hoffnung gegeben. Wir haben gesehen, dass die Menschen froh sind, dass wir da sind“, so Bömelburg, die auf Listenplatz 2 um den Einzug in den Landtag gekämpft hat. Doch tiefe Trauer will sich nicht einstellen bei den Genossinnen und Genossen in Rheinland-Pfalz. „Wir haben in Mainz 16 Prozent geholt, auch in den anderen großen Städten haben wir sehr gut abgeschnitten“, so Bömelburg.
„Die Linke hat bei sowohl bei Arbeitern, als auch bei Frauen mit Abitur zugelegt"
Auch Parteichef Jan van Aken ärgerte sich über das knappe Wahlergebnis, verwies aber gleichzeitig auf die positiven Trends im Südwesten. „Die Linke hat bei sowohl bei Arbeitern, als auch bei Frauen mit Abitur zugelegt. Wir verbreitern also unsere Basis. Darauf können wir aufbauen“, so van Aken.
Bereits am Wahlabend meinte Rebecca Ruppert, die Spitzenkandidatin der Linken in Rheinland-Pfalz: „Einerseits ist die Enttäuschung über das Wahlergebnis groß, andererseits konnten wir das beste Ergebnis erkämpfen, dass die Linke in Rheinland-Pfalz je hatte. Wir sind enttäuscht und traurig, aber es ist auch ein enormer Stolz da“, so Ruppert. Die Enttäuschung ist nachvollziehbar, stand Die Linke doch über Wochen und Monate konstant bei mindestens 5 Prozent. Nicht eine Umfrage im Vorfeld der Wahl hatte die Partei unter der 5-Prozent-Hürde gesehen. Ob die Diskussionen um den Zionismus-Beschluss der niedersächsischen Linken wirklich Stimmen gekostet haben, kann nur vermutet, aber nicht bewiesen werden.
Hingegen bekannt ist der anhaltende Zulauf, den Die Linke verzeichnet: Innerhalb eines Jahres konnte die Partei ihre Mitgliederschaft im konservativen Südwesten verdreifachen. Noch kurz vor der Landtagswahl begrüßte Die Linke in Rheinland-Pfalz ihr 4000. Mitglied. Allein seit Anfang Januar kam 230 neue Genossinnen und Genossen hinzu. So mag das Wahlergebnis gar nicht zur Stimmung passen, die in der Linken herrscht.
Soziale Themen standen bei der Linken-Wählerschaft im Mittelpunkt
Hier noch ein Blick auf die interessantesten Zahlen der Wahlen in Rheinland-Pfalz: Besonders erfolgreich war Die Linke bei jungen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren: Mit 21 Prozent der Stimmen wurde sie zur stärksten Partei in dieser Altersgruppe. Neben jungen Frauen konnte Die Linke auch bei den unter 25-Jährigen als drittstärkste Kraft überzeugen. In den Städten erreichte die Linke bei jungen Frauen mit Abitur sogar 26 Prozent und setzte sich damit klar an die Spitze. Die Linke konnte ebenfalls bei den Erstwählerinnen und Erstwählern punkten. Mit 14 Prozent landete sie knapp hinter der SPD und der AfD, die jeweils 19 Prozent erzielten, jedoch deutlich vor den Grünen (10 Prozent). Dieser Erfolg zeigt, dass die Partei mit ihrem Programm für eine gerechtere Gesellschaft besonders bei jungen Menschen auf große Zustimmung stößt. Stark ist die Partei bei der Wählerschaft mit Migrationshintergrund. Insbesondere bei Musliminnen und Muslimen verzeichnete Die Linke mit 17 Prozent besonders hohen Zuspruch.
Soziale Themen standen auch bei der Wählerschaft im Mittelpunkt. Speziell in sozial benachteiligten Gruppen konnte die Partei punkten. Bei Arbeitslosen erreichte die Linke 9 Prozent, bei Menschen mit schlechter wirtschaftlicher Lage 8 Prozent und bei Arbeiterinnen und Arbeitern 7 Prozent. Besondere Bedeutung kommt auch dem Erfolg in Mainz I zu. In diesem strategisch wichtigen Wahlkreis konnte die Linke mit 16 Prozent der Stimmen einen satten Zugewinn von 10 Punkten im Vergleich zur letzten Wahl verzeichnen.
Das Fazit klar: Die Linke hat in Rheinland-Pfalz vor allem bei jungen Wählergruppen, sozial Benachteiligten sowie Migrantinnen und Migranten gepunktet.