Nach der Flucht

Auf der Suche nach sich selbst

„Wohin mit mir?“ fragen sich zwei jugendliche Geflüchtete in Marvin Mennés gleichnamigem Dokumentarfilm. Zwischen Heimalltag und schwierigen Amtsterminen zeigt der Film, wie das Leben der jungen Bewohner zwischen Hoffnung und Unsicherheit schwankt. 

Im Marvin Mennés Film „Wohin mit mir?“ findet sich der Zuschauer im Heim für minderjährige Geflüchtete in Mönchengladbach ein. Zwei junge Männer stehen im Mittelpunkt: Majd aus Syrien ist seit rund anderthalb Jahren in der Unterkunft. Davor sei er in der Türkei gewesen, geflüchtet vor Assad und dem Wehrdienst. Auf dem Weg nach Deutschland habe er im Schnee kampieren müssen. In Deutschland hat Majd, der von einer Fußballerkarriere träumt, einen Bruder. Der und die übrige Familie machen nun Stress, er solle arbeiten gehen und Geld nach Syrien schicken.

Majd würde aber lieber was lernen, er hat schon auf einem Bauernhof gearbeitet. Und die Sozialarbeiterin im Heim macht auch klar: Nur eine Ausbildung sei eine Garantie dafür, dass Majd in Deutschland bleiben könne. Ansonsten drohe die Abschiebung. Man sagt ihm, er solle Dokumente beschaffen, dass sein Vater Soldat in Syrien gewesen und verfolgt worden sei. Das würde seine Ausgangslage verbessern.

Wie soll er das nur anstellen? Er kämpft nicht nur damit, sondern auch mit der deutschen Sprache, Schulstoff und den deutschen Behörden. Und es sieht nicht gut für ihn aus: Auf seinem Weg ist er durch Bulgarien gekommen, dort nahm man ihm die Fingerabdrücke. Das wird wie ein Asylantrag gewertet, in Deutschland würde daher ein neuerlicher Asylantrag eher abgelehnt.

Schlauer Junge, schwere Sprache

Auch Shahfaisal lebt in der Mönchengladbacher Wohngruppe. Er kam aus Afghanistan. Er würde gern in der Gesellschaft aktiv werden, man attestiert ihm, er sei ein „schlauer Junge“. Die neunte Klasse muss er aber aufgrund von Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache wiederholen. Auch ihm macht die Bürokratie zu schaffen. Dass die nötigen Papiere vom entsprechenden Amt auch in seinem Fall nicht kommen, mache ihn nicht wütend, sagt er. „Warum soll ich sauer sein, das ist nicht mein Land.“

Afghanistan sei seine Heimat. Dort erlebe man seit Jahrzehnten Krieg. Dass das Land kaputt ist, dafür macht er Europa und die USA verantwortlich. Bald steht auch bei ihm der Termin beim BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, an. Die Heimleitung hat einen Fachanwalt für Asylfragen engagiert, der ihn und Majd vorbereiten soll. Er solle sich nicht wundern: „Im Amt stellt man manchmal überraschende Fragen.“ Es sind 34, um genauer zu sein.

Zwischen Heimalltag, Sportprogramm und schwierigen Amtsterminen zeigt „Wohin mit mir?“, wie das Leben der jungen Bewohner zwischen Hoffnung und Unsicherheit schwankt. Minutiös zeichnet Regisseur Marvin Menné auf, wie die Arbeit in den Heimen funktioniert, welche Schwierigkeiten und Verfahren das Leben in den Einrichtungen bereithält.

„Wohin mit mir?“ D 2025. Regie: Marvin Menné. Kinostart: 1. Oktober 2026
Trailer: 
Wohin mit mir? [1]

Links:

  1. https://www.youtube.com/watch?v=6qhVx42RGyU