Tanz und Migration

Jennifer ist der Star der besseren Gesellschaft. Als Kunstmäzenin und Philanthropin genießt die US-Amerikanerin weltweit Ansehen, ihre Stiftung fördert junge Talente, alles prima. Was ihr fehlt, ist Lebensenergie. Ihr Stipendiat Fernando hat genug davon: Der aufstrebende Tänzer trainiert in Mexiko für seine Karriere, träumt von den großen Häusern der Ballettwelt. Es dauert nicht lange, dann entwickelt sich eine Romanze zwischen den nicht nur im Alter sehr unterschiedlichen Charakteren.

Eines Tages beschließt der junge Künstler, sich auf den Weg ins gelobte Land, die USA, zu machen. Jennifer wird alles Weitere regeln, da ist er sich sicher.

Die sieht das allerdings anders: Fernando bringt ihr sorgsam sortiertes Leben komplett durcheinander; bald erkennt er, dass ihre Liebesausflüge nach Mexiko nur ein schönes Mosaiksteinchen in einem ansonsten durchgestylten Leben waren. Was folgt: Die Polizei ist hinter ihm her, Flucht, Haft. Und Gewalt – auch zwischen den beiden. Die Ereignisse überschlagen sich wie auf der Bühne. Wie kann der junge Tänzer einen Ausweg finden, wie kommt Jennifer aus der Situation?

„Dreams“ von Regisseur Michel Franco scheint wie ein Kommentar zur gegenwärtigen US-Migrationspolitik. Die Behörden schieben verstärkt ab, das soziale Gefälle zwischen Nord- und Südamerika macht die schwierige Reise in die USA trotz Grenzregime attraktiv. Anhand der Geschichte des lokal durchaus prominenten jungen Künstlers wird deutlich, dass jeder Probleme mit den Behörden bekommen kann. Franco verzahnt das Schicksal Fernandos zudem stark mit der europäischen Kultur: egal ob Schwanensee“ oder „Romeo und Julia“: Die Inhalte sind schnell erkennbar, vielen Kinogängern vertraut und bieten Hinweise auf einen möglichen tragischen Ausgang.

„Soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Ungerechtigkeit und die Tatsache, wie unfair die Welt ist, haben mich schon immer sehr beschäftigt“, sagt der Regisseur, der mit dem Fernando-Darsteller, dem Ballett-Star Isaac Hernández - wie er selbst Mexikaner - intensiv an Choreografie und Story gearbeitet hat.

Viele Mexikaner versuchten auf der Suche nach einem besseren Leben die Grenze zu überqueren und leisteten so in vielerlei Hinsicht einen Beitrag zur US-amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie zum kulturellen Leben. Dennoch würden sie oft als „Parasiten“, als Kriminelle dargestellt. Als Menschen, die den USA etwas wegnähmen, obwohl das Gegenteil der Fall sei.

Franco: „Kritiker dieser Einwanderungsbewegungen zeigen oft mit dem Finger in die falsche Richtung und suchen nach jemandem, dem sie die Schuld geben können, obwohl dieser überhaupt nichts mit den Problemen und ihrem Ursprung zu tun hat.“

 

DREAMS: Gefährliches Verlangen Trailer German Deutsch (2026) Jessica Chastain, Rupert Friend
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„Dreams – Gefährliches Verlangen“. US/MEX 2025. Regie: Michel Franco. Mit: Jessica Chastain, Isaac Hernández. Kinostart: 23. Juli 2026