Ein Bollwerk gegen den Rechtsruck
- Drop Out Cinema
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Der Film „Bollwerk“ beschäftigt sich mit dem antifaschistischen Engagement in Ostdeutschland am Beispiel des Netzwerks für demokratische Kultur in der Kleinstadt Wurzen.
Ingo Stange kommt aus Wurzen, war Punk und in der Antifa. Ständige Angriffe, massive Gewalt von rechts hat er selbst erlebt. Heute, sagt er, seien die Täter alles arrivierte Leute, besetzten Schlüsselpositionen. Seine Gegenwehr habe sich dadurch verändert, aber nicht nachgelassen.
Melanie Haller organisiert in Wurzen soziale Events. Aber die Projekte sind gefährdet. Fördermittel werden eingespart, ein Mehrgenerationenprojekt ist bereits dichtgemacht. Viele Alte, sagt Haller, sitzen allein zu Hause.
Ludwig Henne kam in den 1990er Jahren aus Leipzig nach Wurzen. In den letzten Jahrzehnten hat er mit Gleichgesinnten wie Stange und Haller zivilgesellschaftliche Projekte im „D5“ umgesetzt: Es ist das Zentrum des Netzwerks für demokratische Kultur, NDK, das seit 2006 mitten in der Stadt residiert und eine feste Größe des Kulturlebens ist.
Wurzen ist beispielhaft für die Situation im Osten
Die drei sind die Hauptdarsteller in Jakob Wehners Dokumentarfilm „Bollwerk“. Einen Sommer lang hat der Regisseur seine Protagonisten bei der Arbeit in der sächsischen Kleinstadt begleitet, lässt sie ausführlich von ihren Bemühungen um Demokratie und ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement berichten. Derzeit stehen Open Air-Filmtage und Veranstaltungen zum Thema jüdische Kultur in Sachsen auf dem Programm. Noch im März 2026 erhielt das Haus für sein „Sommer-Kultur-Café“ einen Preis beim „Machen! Wettbewerb“.
Trotzdem hat das Haus zu kämpfen. Wurzen dürfte hier beispielhaft für die Situation in Ostdeutschland sein: Das Potenzial für rechte Parteien ist hoch, die Herausforderungen sind drastisch. So wurden im Stadtrat Mittelzuwendungen blockiert, was dazu führte, dass auch Fördergelder verfielen. Daraufhin musste das NDK Angebote eindampfen. Obendrein drohen auch Bundesmittel zu versiegen, da das Förderprojekt „Demokratie leben“ unter Beschuss steht.
Zivilgesellschaft in der Fläche? Oft kein Thema für die Politik.
Die Landtagsabgeordnete Jule Nagel (Die Linke) sieht im NDK ein „Leuchtturmprojekt“ und hat sich bereits an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt, „klare Worte“ in Richtung der kommunalen Mandatsträger seiner Partei zu senden. Man müsse dem Land Druck machen, damit es nicht zur Mode werde, ganze Strukturen verfallen zu lassen, betonen Kommunalpolitiker wie der ehemalige Oberbürgermeister im sächsischen Weißwasser, Torsten Pötzsch. Der nur 60 Minuten lange Film ist gut geschnitten und kurzweilig konzipiert. Er zeigt mustergültig, wie kulturelles Leben in schwierigem Terrain gestaltet werden kann.
„Bollwerk“. D 2025. Regie: Jakob Wehner. Kinostart: 21. Mai 2026. Zum Internationalen Tag der Demokratie am 23. Mai sind Sonderveranstaltungen geplant.
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=q70U3Oov45o[1]
Links:
- https://www.youtube.com/watch?v=q70U3Oov45o